Sandhofen

Sandhofen Traditionelle Feier der KZ-Gedenkstätte Sandhofen / Kranzniederlegung an der Gustav-Wiederkehr-Schule

Erinnerung an Leid der Zwangsarbeiter

„Nahezu alle von ihnen waren polnische Jungen und Männer, die nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands im August 1944 von den deutschen Besatzern willkürlich verhaftet und zur Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie nach Deutschland verschleppt wurden“, erinnerte Bürgermeister Michael Grötsch (CDU) an die 1060 Häftlinge, die ab 1944, also vor 74 Jahren, im damaligen KZ-Außenlager im Stadtteil Sandhofen untergebracht waren.

Vor dem Gebäude, in dem heute die Gustav-Wiederkehr-Grundschule (GWS) ihren Platz hat, fand die traditionelle Gedenkfeier statt – traditionell mit einer Kranzniederlegung unter den beiden dunklen Gedenktafeln in deutscher und polnischer Sprache. Sie hängen an der Schulfassade.

„Wir gedenken der Opfer, die die unmenschlichen Bedingungen des Lagers nicht überlebten, aber auch der Überlebenden, die nach der Auflösung des Lagers in anderen Konzentrationslagern oder auf den Todesmärschen ums Leben kamen oder an den Folgen der KZ-Haft starben“, mahnte Gastredner Grötsch und fuhr fort: „Die Gedenkstätte in den Kellerräumen der Gustav-Wiederkehr-Schule wurde gegründet, um die Geschichte dieses KZ-Außenlagers zu dokumentieren und dauerhaft an die NS-Verbrechen zu erinnern. Die Besucher sollen zum Nachdenken über gegenwärtige Formen der Ausgrenzung, Diskriminierung und der Missachtung der Menschenrechte angeregt werden.“

Lieder und Theaterstück

Für den musikalischen Rahmen sorgte der Grundschulchor unter Leitung von Monika Joos. Gemeinsam sangen die Kinder, begleitet von Xylophonen und Blockflöte, das Lied „Wir reisen durch Europa“. Es steht für Völkerverständigung und Überwindung von Barrieren jeglicher Art, verbunden mit der Erkennungsmelodie der Eurovision-Fernseh-Übertragungen von Komponist Marc-Antoine Charpentier.

Außerdem führten die Mädchen und Jungen aus Sandhfoen ein kurzes Theaterstück auf, in dem sie aus einem schwarzen Reisekoffer rote Karten hervorholten. Auf ihnen standen für den sozialen Umgang wichtige Begriffe wie Freundlichkeit, Respekt und Toleranz – nicht zuletzt in Bezug auf Begegnungen mit fremden Menschen.

„Ich danke dem Verein KZ-Gedenkstätte für seine wichtige Arbeit und seinen unermüdlichen Einsatz gegen das Vergessen“, lobte Bürgermeister Michael Grötsch die Organisatoren der traditionsreichen Kranzniederlegung zum Jahrestag der Eröffnung der KZ-Außenstelle Sandhofen am 27. September 1944.

Zwischendurch trugen zwei Schülerinnen das Gedicht „Du und ich“ vor. „Heute sehen wir hier einen freundlichen und lebendigen Ort, eine Schule mitten im Ortskern. Kinder kommen zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad zum Lernen hierher und um zu spielen“, erklärte Manfred Kern, der kulturpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag.

„Was die polnischen Männer, zur Zwangsarbeit bei Daimler-Benz nach Mannheim-Sandhofen deportiert, sahen, dachten und fühlten, das vermögen wir uns nicht vorzustellen“, fügte er hinzu.

Anschließend interpretierte der Chor „Trotz alledem“ das Stück „Die Moorsoldaten“ und das italienische Protestlied „Bella Ciao“, das gerade eine Renaissance erlebt. Zusätzlich hielten Rektorin Sibille Krappel von der Gustav-Wiederkehr-Grundschule, das ehemalige Vorstandsmitglied des Stadtjugendrings, Mike Cares, und Peter Koppenhöfer von der KZ-Gedenkstätte Sandhofen Vorträge.