Sandhofen

Sandhofen Feier an der Gustav-Wiederkehr-Schule / Leidensort für 1070 polnische Zwangsarbeiter

Gedenkstätte erinnert an Verbrechen des Nazi-Regimes

Archivartikel

Das Leiden und Sterben polnischer Zwangsarbeiter in der Sandhofener Außenstelle des elsässischen Konzentrationslagers (KZ) Natzweiler-Struthof begann am 27. September 1944, vor 75 Jahren. 1070 Männer kamen an diesem Tag nach einem zweitägigen Transport im Güterzug aus dem Konzentrationslager Dachau am Bahnhof auf dem Waldhof an. In Fünferreihen musste die Kolonne am Rhein entlang nach Sandhofen laufen – zur Friedrichschule in der Kriegerstraße mitten im Zentrum. Hier befinden sich heute Gustav-Wiederkehr-Grundschule und KZ-Gedenkstätte. Aus diesem Anlass lud der Verein KZ Gedenkstätte Sandhofen in Zusammenarbeit mit der Schule, dem Marchivum und dem Stadtjugendring Mannheim zu einer Gedenkfeier in die Räumlichkeiten in der Kriegerstraße ein – also an den Ort, an dem sich damals unvorstellbare Verbrechen zutrugen.

Schulleiterin Sibille Krappel erinnerte an die Häftlinge, ihren verzweifelten Kampf gegen das Unrecht und ihre Widerstandskraft, die sie trotz allem nie aufgegeben hätten. Die Rektorin betonte außerdem, wie wichtig Versöhnung sei. Das Brückenlied „Ich und Du sind Wir“ sangen Schüler unter der Leitung von Monika Joos. Das Grußwort der Stadt Mannheim überbrachte Stadträtin Stefanie Heß (Grüne) und betonte „Die KZ-Gedenkstätte Sandhofen ist nicht nur ein Ort der Erinnerung an den NS-Terror in unserer Stadt. Sie ist eine aktive Gedenkstätte, in der Leben und Lernen zu Hause sind.“ Vorrangig Schulklassen informieren sich hier über die geschichtlichen Zusammenhänge.

Heß dankte im Namen des Oberbürgermeisters und des Arbeitskreises der Gedenkstätte allen, die seit nunmehr 30 Jahren zu den Säulen der Einrichtung zählten – sie leisteten wichtige Arbeit und zeigten ganz persönlichen Einsatz. Das Grußwort von Boleslaw Urbanski aus Warschau verlas Marco Brenneisen, Marchivum-Mitarbeiter und Mitglied des Vereins KZ-Gedenkstätte Sandhofen.

Kranz niedergelegt

Abwechselnd erzählten Karin Heinelt vom Stadtjugendring Mannheim und Andreas Mix vom Marchivum von der Errichtung der KZ-Außenstelle Sandhofen am 27. September 1944. In die Erinnerungen waren auch Zitate von damaligen Zeitzeugen eingebaut. So erzählte Ria Reuter, die damals zehn Jahre alt war, dass sie von Soldaten mit Maschinengewehren am Denkmal sitzend vertrieben wurde.

Zum Gedenken legte Stadträtin Stefanie Heß zusammen mit Rektorin Sibille Krappel und Marco Brenneisen einen Kranz an der Schule nieder. Zwischen den Redebeiträgen spielte Gizem Gözüacik von der DIDF-Jugend Mannheim das Stück „Das weiche Wasser“. Bei der Kranzniederlegung stellte sie musikalisch die Frage: „Sag mir, wo die Blumen sind?“ Im Anschluss waren die Gäste zum weiteren Gedankenaustausch in der Gedenkstätte eingeladen.