Sandhofen

Sandhofen Kammerspiel mit Elisabeth Haug gewährt Einblicke in das Eheleben des großen Reformators Luther / Moderne und selbstbewusste Frau

Katharina kritisiert ihren Martinus

Martin Luther nagelte am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an das Wittenberger Kirchentor - und seine Ansichten veränderten die Welt. Während der große Reformator mit seinen Ansichten die Menschen bewegte, hielt Katharina Luther Haus und Hof zusammen, sorgte dafür, dass Kinder, Gesinde und Scholaren satt wurden. Beim Rühren der Suppe kamen ihr die besten Ideen.

Darum geht es bei dem Stück "Die Tischreden der Katharina Luther". So lautet der Titel des Kammerspiels nach dem Text von Christine Brückner. Die Berliner Schauspielerin Elisabeth Haug schlüpfte in der Dreifaltigkeitskirche in Sandhofen in die Rolle von Luthers Gemahlin - eine starke und selbstbewusste Frau mit modernen Überzeugungen und klarem Verstand.

Gebildet und des Lateins mächtig, stellt Katharina Luther in einer fiktiven Rede ihre Sicht auf das Zeitgeschehen dar. Als lebenskluge Partnerin des Reformators sinniert sie über Armut, Gehorsam und das Werk ihres Mannes, regt eine Glaubensdebatte an und transportiert Luthers Thesen ins Hier und Heute.

Katharina klagt ihren Martinus an. Es seien oft nur hohle Worte, denen keine Taten folgten. Und was wäre er denn ohne sie, die das Bier braut, ihm dem Tee kocht und Kranke heilt? Ohne sie würde er sogar den Frühling verpassen.

Schwächen kommen zur Sprache

Das Kammerspiel zeigte die Schwächen des nicht nur von Cranach übergroß dargestellten Reformators. Elisabeth Haugs souveräner und textsicherer Monolog gewährte nicht zuletzt auch einen intimen Einblick in die Ehe von zwei starken Persönlichkeiten.

Katharina von Bora, ehemalige Nonne und dann Ehefrau von Martin Luther, beklagt das Schicksal einer Frau, die auch nach Verlassen des Klosters in Armut und Keuschheit leben muss. Doch Katharina will lieben, lachen und sich selbst verwirklichen. Also sorgt die kluge Gattin dafür, dass ein Krug ihres selbst gebrauten Bieres mit ins Schlafgemach wandert. Sie löst ihre Haare aus dem strengen Reif und geizt nicht mit weiblichen Reizen.

Und gestand Luther sich etwa keinen Genuss zu? "Du wirst dick, du frisst zu viel in dich hinein", poltert seine Gattin. Doch Elisabeth Haug wird dabei nicht laut. Sie haut nicht auf den Tisch, sondern gestaltet ihre Katharina voller Gefühl und mit viel Anmut - stimmungsvoll untermalt durch das einfühlsame Gitarrenspiel von Jacob David Pampuch.

"Wir sollten Frieden zu Lebzeiten finden. Man muss ihn nur suchen", sagt Katharina. Doch da ist ihr Martinus - als hätten es die amüsierten Zuhörer nicht schon geahnt - längst entschlummert.

Mit stehendem Beifall dankten das Publikum und Pfarrer Wolfram Langpape für die kostbaren kleinen Einblicke in das allzu menschliche Dasein großer Gelehrter.