Sandhofen

Sandhofen Gemeinsamer Neujahrsempfang von Volksbank und Bürgervereinigung / Festredner Jürgen E. Wolf sieht Windkraftpläne der MVV-Tochter Juwi kritisch

Kritik an Windkraftplänen

„Ist Stillstand Rückschritt“, fragt Jürgen E. Wolf in die Runde der zahlreichen Bürger und Vertreter von Vereinen, Kirchen, Schulen und Polizei. Das Vorstandsmitglied der Gemeinnützigen Bürgervereinigung Sandhofen (BVS) gibt beim Neujahrsempfang in der Volksbank am Stich eine zwiespältige Antwort: „Ja und Nein“, sagt Wolf – und macht das vom jeweiligen Thema abhängig.

Da ist zum Beispiel die seit langem ersehnte Mehrzweckhalle des Sport- und Kulturvereins (SKV). Dass das Projekt „immer noch in der Planungsphase“ sei und es „in Bezug auf die Kostensituation noch erhebliche Fragen gibt“, ist ein eher ungewollter Stillstand. „Sandhofen braucht eine solche Halle“, betont Wolf – neben Sport- auch für Kulturveranstaltungen oder Gewerbeschauen. Deshalb appelliert er an die Stadt, „sich an ihr anlässlich der Gründung des Großvereins vor drei Jahren propagiertes ,Hochzeitsgeschenk’ zu erinnern und in Sandhofen eine solche Baumaßnahme zu ermöglichen“.

Bei einem anderen Punkt dagegen begrüßt Wolf den „Stillstand“ ausdrücklich – bei der Windkraft nämlich. Die nördlich von Sandhofen von der MVV-Tochter Juwi ins Auge gefassten fünf Anlagen, möglicherweise höher als der Mannheimer Fernmeldeturm, stoßen bei Wolf auf deutliche Kritik. Was sie angehe, sei „Stillstand, also ein Abstand-Nehmen von einem solchen Projekt, durchaus Fortschritt“. Zwar sei der Ausbau regenerativer Energien „unausweichlich“. Aber es seien die zahlreichen negativen Folgewirkungen „des Eingriffs in die Natur, aber auch in gesundheitliche sowie ästhetische Belange“ zu beachten.

Wolf sieht Bedrohungen für Vogelarten wie den Rotmilan, führt die möglichen Gefahren des Infraschalls ins Feld – und fügt hinzu: „Ein solches Vorhaben würde die Silhouette der Gemarkung Sandhofen für immer verändern.“ Deshalb gelte es, das Vorhaben der Juwi „höchst kritisch zu begleiten“.

Appelle an den Gemeinsinn

Was denn auch gleich im Anschluss der Vertreter der Stadt, CDU-Stadtrat Egon Jüttner, tut. Es sei „für viele Bürger unverständlich, dass ausgerechnet der Mannheimer Norden als Schwerpunkt für Windkraftanlagen ausgemacht“ worden sei. Viele Betroffenen fühlten sich „aufgerufen, Widerstand zu leisten“.

Jüttner geht aber ebenso auf positive Entwicklungen ein. Mehr Personal für den Kommunalen Ordnungsdienst werde dazu beitragen, den Stadtteil „sauberer und sicherer“ zu machen. Außerdem stelle die Stadt mit dem gerade verabschiedeten Haushalt Geld für das Siedlerheim auf der Blumenau und einen Radweg zur Eugen-Neter-Schule zur Verfügung.

Ein dickes Kompliment machte er den Bürgern: „Sandhofen wäre ohne Sie alle nicht ein so gemütlicher Stadtteil.“ Auch für die Zukunft hofft Jüttner: „Legen Sie nicht die Hände in den Schoß und warten darauf, dass andere etwas tun – sondern werden Sie selbst aktiv.“

Im Jahr nach dem 100. Geburtstag der BVS wünscht sich das auch Jürgen E. Wolf. Gerade um Veranstaltungen wie Maibaumaufstellung, Kerwe oder Adventsmarkt zu organisieren, brauche es viele helfende Hände – und Unterstützung auch in dem im März neu zu wählenden Vorstand. Insbesondere die Kerwe sei ein regelrechtes Stadtfest geworden. „Es wäre schade, wenn ein Stadtfest wie dieses zukünftig aus Mangel an Personalressourcen nicht mehr durchgeführt werden könnte.“

Beiträge zu einem lebendigen Stadtteil leisten will aber auch die Volksbank Sandhofen, wie Direktor Manfred Baumann betont. Deshalb richte man immer wieder gerne den Neujahrsempfang aus und unterstütze trotz aller schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Vereine finanziell. Ein Verein ist es auch, der den Empfang mit bekanntem Liedgut bereichert: die Sängerrose Blumenau, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert.