Sandhofen

Sandhofen Stadträtinnen und Landtagsabgeordneter diskutieren über die Sprache im Rechtspopulismus

Kritik an „Wölfen im Schafspelz“

Archivartikel

Der Ort hätte kaum besser gewählt sein können: Im ehemaligen Hochbunker im zeitgeschichtlichen Museum in Sandhofen – ohne Licht und ohne Heizung – diskutierten die SPD-Stadträtinnen Heidrun Kämper (Institut für deutsche Sprache) und Andrea Safferling sowie der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Fulst-Blei, über Rechtspopulismus – und welche Gefahr von ihm ausgehe.

Wie täuscht dieser Populismus die Menschen? Welche Gegenstrategien können greifen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Podiumsteilnehmer. Dabei unterstrichen Kämper und Fulst-Blei übereinstimmend, dass es um die Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft gehe. Kämper untersuchte vor allem den Sprachgebrauch im Grundsatzprogramm 2016 der Alternative für Deutschland (AfD). Fulst-Blei rückte „nervende Beispiele aus der Praxis“ im Landtag in den Mittelpunkt seiner Beiträge.

Kämper betonte unter anderem, dass der typische Ton des Programms, nämlich „Denunzieren und Provozieren“, Vorbilder mindestens in der Weimarer Zeit gehabt habe. Eine große Bedeutung nimmt laut Kämper das Wörtchen „wieder“ ein, beispielsweise in der Aussage der AfD: „Wir wollen die Ordnung wiederherstellen.“ Als ob es zur Zeit keine Ordnung gebe, merkte die Stadträtin an.

Auch der amerikanische Präsident Donald Trump benutze diese Masche in seinem Hauptslogan im Wahlkampf zur Präsidentschaft als Rechtspopulist, wenn er „Make America great Again“ sage (zu deutsch: Macht Amerika wieder großartig). Vergleichbares finde sich im AfD-Programm dann in Sätzen wieder, die von nationaler Wiedergeburt oder von Wiederaufstieg des deutschen Volkes redeten.

Im Prinzip gehe es immer um den Gegensatz „Wir und die anderen“ und damit letztlich um biologischen Nationalismus. Diese Idee hätten schon die Nationalsozialisten 1920 mit Gedanken wie „Deutschland den Deutschen“ verbreitet. Woraus letztlich folge, „es sei heute kein Gewinn, dass wir Migranten haben“.

Trend in ganz Europa

Der Populismus stelle eine Gefahr für die Demokratie dar. „Daher haben wir die Reihe Wölfe im Schafspelz konzipiert, um so auf den zunehmenden Populismus zu reagieren. Wir gehen damit selbst in die Stadtteile, um aus sprachwissenschaftlicher Sicht und aus der Praxis zu informieren“, erläuterte Stefan Fulst-Blei die Intention.

Die AfD beleidige und diffamiere die politische Konkurrenz immer wieder: Das ist laut Fulst-Blei „echt nervenaufreibend“. So habe diese Partei im Haushalt beispielsweise die Mittel für die Popakademie kürzen wollen und stelle sich gegen Geld für Inklusion. Dies in den Debatten richtigzustellen, erfordere einen hohen Aufwand und endlose Diskussionen.

Der Rechtspopulismus erfahre einen Aufschwung in ganz Europa. Dem entgegenzuwirken, brauche es einen sogenannten positiven Populismus der Bevölkerung, forderte der Abgeordnete. Mit Sprache würden Wirklichkeiten geschaffen. Daher sei es auch unheimlich wichtig, einfach miteinander zu diskutieren und zu reden und sich nicht auf Befreiungsfloskeln zu reduzieren nach dem Motto: „Das wird man doch noch sagen dürfen.“ Das sei mit das Schlechteste, was man machen könne.