Sandhofen

Sandhofen Bezirksbeirat beklagt lange Planung für Kindergarten / Im Juni will Stadt Gespräche mit den Preisträgern führen / Fertigstellung Ende 2021 geplant

„Machen seit sechs Jahren damit rum“

Archivartikel

Erneut sorgte das Thema Kindergarten- und Krippenplätze für Diskussionen im Bezirksbeirat Sandhofen. Yasmin Kazan vom städtischen Fachbereich Bau und Immobilienmanagement informierte im Gemeindesaal der Bartholomäuskirche über das Neubauprojekt Werner-Nagel-Ring/Groß-Gerauer-Straße.

Drei Preise und eine Anerkennung

Der Architektenwettbewerb für den viergruppigen Kindergarten, in dem 80 Mädchen und Jungen ganztags betreut werden sollen, ist so gut wie abgeschlossen. „Zehn Planungsbüros haben ihre Entwürfe abgegeben, das Preisgericht hat drei Preise und eine Anerkennung verliehen“, erklärte Kazan. Im Juni soll es nun Gespräche mit den Gewinnern geben: „Dann wird ein Preisträger den Auftrag bekommen und die Ergebnisse werden ausgestellt“, so Kazan. Die Fertigstellung des Gebäudes sei für Ende 2021 geplant. „Es gibt einen genehmigten Beschluss für Gesamtkosten in Höhe von 4,4 Millionen Euro.“

Die Bezirksbeiräte machten ihrem Unmut über die Dauer der Planungen rund um den Sandhofener Kindergarten Luft: Die Stadt hatte anfangs einen Standort in der Wilhelmswörthstraße befürwortet: auf einem abgelegenen Grundstück, das nur über einen schmalen Weg erreichbar gewesen wäre (wir berichteten). Erst nach massiven Protesten von Bürgern und Stadtteil-Politikern sowie einer Unterschriftenaktion stoppte sie den Architektenwettbewerb. Nach der Ankündigung der Evangelischen Kirche, den Kindergarten auf dem Scharhof 2021 zu schließen, entschied die Stadt zudem, von drei auf vier Gruppen aufzustocken.

Bezirksbeiratssprecherin Jenny Bernack (SPD) hofft nun, dass „der zeitliche Rahmen so passt, denn viele Eltern müssen improvisieren“. Wilken Mampel, Sprecher der CDU, forderte zum Umdenken auf: „Immer mehr private Träger ziehen sich zurück.“ Mampel bedauerte, dass nicht schon früher auf die Beiräte gehört worden sei: „Wir haben vielleicht nur eine normale Schulbildung und ich bin ein normaler Landwirt, aber wir haben das Ohr an den Menschen. Wir machen das alles ehrenamtlich und wollen nur eine Brücke bauen zwischen den Bürgern und der Verwaltung.“ Bezirksbeirat Bernd Siegholt (AfD) hatte Zweifel, ob die Stadt die Schließung des Kindergartens auf dem Scharhof im Hinterkopf habe: „Ich glaube nicht, dass die Stadt da am Ball bleibt.“ Kazan erklärte, dass man versuche, eine Lösung zu finden.

Applaus der Bürger

Bürger Timo Kessler appellierte an die Verwaltung: „Wir brauchen hier im Norden noch viel mehr Krippenplätze. Das Problem ist nicht aus der Welt zu schaffen, ohne dass man baut oder aufstockt. Die Stadt muss doch heute abschätzen können, wie viele Plätze in einem Jahr gebraucht werden“, so Kessler unter Applaus der Gäste im Bartholomäussaal. Auch Bürger Michael Keller fragte, warum man von Seiten der Stadt nicht gleich ein Kinderhaus mit Krippe plane: „Wir machen jetzt seit sechs Jahren an dem Thema rum.“

Hans Betz, seit Jahren regelmäßiger Besucher der Bezirksbeiratssitzungen, erinnerte die Verwaltung daran, bei ihren Planungen auch die Be- und Entladung vor dem Kindergarten zu bedenken. Er kritisierte, dass es meist keine konkreten Antworten auf Fragen der Beiräte und Bürger gebe: „Immer heißt es, dass es nicht ihre Abteilung sei und sie nicht zuständig sind. Die Stadt macht einfach, was sie will.“ Auch Sitzungsleiter und Stadtrat Egon Jüttner (CDU) beklagte die fehlenden Antworten der Stadt bei den Bezirksbeiratssitzungen: „Es geht nicht, dass Einwendungen seit Jahren keine Antwort bekommen.“