Sandhofen

Sandhofen Regierungspräsidium und Stadt informieren im Bezirksbeirat über die PFC-Belastung im Mannheimer Norden

„Müssen mit Problem leben“

Voraussichtlich im Februar soll das Gutachten zu den mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belasteten Ackerflächen im Mannheimer Norden vorliegen. Bislang seien bei 244 von 317 Hektar untersuchten Bereichen Belastungen festgestellt worden, erklärte Jürgen Hammer vom städtischen Fachbereich Grünflächen und Umwelt bei der letzten Bezirksbeiratssitzung des vergangenen Jahres im Gemeindesaal der St. Bartholomäuskirche.

Zusätzliche Untersuchungen

„Von diesen belasteten Flächen haben wir zwölf mit der höchsten Belastung herausgesucht, an denen wir zusätzliche Untersuchungen vornehmen“, erklärte Hammer. Das zu- und abströmende Grundwasser dieser Areale sei analysiert worden. „Dabei ist festgestellt worden, dass sich die Schadstoffquellen in den oberen 80 Zentimetern des Bodens angesammelt haben“, so Hammer. An einigen Stellen sei festgestellt worden, dass die Belastung schon im Grundwasser angekommen sei, an anderen jedoch nicht. „Aber Tatsache ist: Früher oder später kommt alles im Grundwasser an“, so Hammer.

Auf zehn der zwölf genauer untersuchten Flächen seien kritische Verbindungen gefunden worden, die einen Rückschluss auf papierhaltige Stoffe geben. Im Zustrom zum Erdenwerk habe man PFC nachweisen können, die Fläche sei zudem mit Papierschwämmen belastet, so Hammer. Auf dem Coleman-Areal seien ebenfalls Schadstoffe gefunden: „Aber das Spektrum ist geringer als auf den Feldern, dort sind es eher Löschschwämme“, sagte Hammer. Zusätzlich sei geplant, 56 Grundwasserbrunnen zu untersuchen.

Kein Anbau von Tomaten

Birgit Kaiser vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) informierte über das sogenannte Vorernte Monitoring (VEM), bei dem Proben vor der Ernte entnommen würden: „Wir wissen noch wenig darüber, wie PFC in Pflanzen und Lebensmittel gelangt.“ Die Ackerproben würden etwa zwei Wochen vor der Ernte untersucht. „Die verschiedenen Pflanzen nehmen PFC unterschiedlich auf, Weizen beispielsweise sehr stark, Mais weniger“, erklärte Kaiser. Eine Tomate als sogenannte Zeigerpflanze dürfe auf solchen Flächen gar nicht angebaut werden, informierte Kaiser. „Alle diese Maßnahmen laufen in Zusammenarbeit mit den Landwirten vor Ort“, so Kaiser.

Neben dem VEM, bei dem kritische Pflanzen aus dem Verkehr gezogen würden, gebe es auch die Überwachung von Hofläden und Märkten. „PFC ist dabei aber nicht akut toxisch, es reichert sich vielmehr über Jahre und Jahrzehnte an“, sagte Kaiser. Generell sei es schwierig, Grenzwerte festzulegen: „Es gibt über 1200 verschiedene PFCs, toxikologische Grenzwerte für langkettige PFCs gibt es schon lange, neue Werte für die kurzkettigen sollen bald folgen“, so Kaiser. Die kurzkettigen PFCs gelangten zuerst ins Grundwasser, die langkettigen sind zunächst an den Oberflächen zu finden, bevor auch sie in tiefere Areale durchdringen. „Die Probleme mit PFC hat kein anderes Land in der EU“, sagte Kaiser.

Birgit Kaiser erklärte, dass in Mannheim in keinem der untersuchten Lebensmittel PFC nachweisbar gewesen sei. Bei den tierischen Lebensmitteln dagegen sei Honig stark getestet worden: Sieben von 23 Proben seien wegen des hohen PFC-Gehalts nicht vermarktbar gewesen. Problematische Werte hätten in den Vorjahren auch Fische in Angelgewässern aufgezeigt, in Mannheim seien 2018 aber keine Fische untersucht worden. „Wir müssen mit dem Problem leben, und dabei geht es nicht um die nächsten fünf, sondern eher 50 Jahre und mehr“, so Kaiser. Fest stehe aber: „Was in den Verkauf kommt, ist in Ordnung.“

Ursachenforschung läuft

Auch 2019 wird das Projekt laut RP fortgesetzt: mit VEM, Versuchen und der Honig-Überwachung. „Dafür sind wir dankbar, das ist unsere Lebensversicherung“, sagte Bezirksbeirat und Landwirt Wilken Mampel (CDU). Die Beiräte und Bürger sprachen sich dafür aus, die Untersuchungen weiterzuführen und auch in den Folgejahren zu finanzieren: „Sonst schauen die Landwirte in die Röhre“, sagte Sitzungsleiter Roland Weiß (ML). Bürger und Politiker fragten auch nach der Ursache: „Wir müssen wissen, wo es herkommt“, so Weiß. Kaiser erklärte, dass das Verfahren laufe: „Weil aber noch ermittelt wird, darf nichts nach außen dringen.“