Sandhofen

Schönau/Sandhofen/Käfertal Heringsessen der Stichler, der Karnevalgesellschaft Grün-Weiß und der Fröhlich Pfalz

Narren beerdigen die Fasnacht

Gleich in mehreren Stadtteilen im Mannheimer Norden wurde am Mittwochabend die fünfte Jahreszeit zu Grabe getragen. Tief betroffen nahmen die Narren Abschied.

Auf der Schönau neigte sich die Amtszeit von Alexandra I. als Regentin der Karnevalgesellschaft Grün-Weiß dem Ende. Bürgerservice-Leiterin Michaela Diehl forderte den Schlüssel für ihre Amtsstube im Rathaus wieder zurück. Die dann wieder einfache Bürgerin Alexandra Hildenbrand, die Vorstandschaft und der Präsident nebst Elferrat nahmen dies unter Wehklagen hin.

Schwarze Taschentücher

Vorstand Werner Weber hatte Mühe beim Verteilen der zahlreichen schwarzen Taschentücher, da die Tränen fast unendlich flossen. Alexandra I. bedankte sich bei allen Aktiven mit einem kleinen Geschenk. Frei nach der englischen Nationalhymne servierten die Helfer anschließend die Fische, die bei der KG Grün-Weiß stets mit Sauerkraut auf die Teller kommen.

Bei den Stichlern im SKV Sandhofen war die Stimmung nicht weniger traurig: Mit den Worten „Horst, Du Fasnachts-Urgestein, Du lässt die Fasnacht nun allein. Nicht die Stichler lässt Du allein, Du lässt die Bühne Bühne sein“ verabschiedete Muriel Strübbe den Stichler-Ehrenpräsidenten Horst Karcher. Der Vollblut-Fasnachter, der 50 Jahre auf der Bühne stand, nahm Abschied von seiner aktiven Zeit.

Vorstand Oliver Strübbe fand nur freundliche Worte bei der Verabschiedung der Prinzessin Michelle I.: „Den Vereinen in Sandhofen gabst Du die Ehre Deiner Anwesenheit und warst stets mit guter Laune bereit. Alles wie selbstverständlich, wir mussten nie fragen.“ Sein Dankeschön galt nicht nur der Prinzessin, sondern auch an ihrem Vater, der immer zur Stelle gewesen sei. An Michelle richtete er die Worte: „Bleib uns gewogen, den Stichlern treu, nochmal ein Sa-Hoi.“

Obwohl bei der Beerdigung der Fasnacht traditionell Trauer herrscht, vergoss Michelle im Vereinsheim der Aurelia sehr viele Tränen: „So hat noch nie eine Prinzessin geweint“, bemerkte auch Fasnachtspfarrer Horst Karcher. Unter dem Motto „Trinkfest und Arbeitsscheu, aber der Fasnacht treu“ zelebrierten die Narren mit ihrem Pfarrer das „Abendmahl“ und verabschiedeten Prinz Karneval unter lautem Wehklagen: Er hatte bereits seinen Platz in der Urne gefunden.

Sascha Vitello als Leiche

Auch in Käfertal liefen die Tränen der Narren fast endlos, und das laute und theatralische Schluchzen der Fasnachter der Fröhlich Pfalz war schon aus weiter Entfernung zu hören: Im Vereinsheim in der Galvanistraße fand die „Beisetzung“ der närrischen Zeit statt.

Thomas Friedel von der Ranzengarde stellte Gott Jokus dar, der auch auf dem Jahresorden des Vereins zu sehen ist: „Ein sachtes Monnem Ahoiluja ich Euch zurufen darf, weil ma des ab Aschermittwoch nicht mehr sagt“, begann Gott Jokus, der die Kampagne in seiner Rede mit allen Höhen und Tiefen Revue passieren ließ: „So blicke ich auf die Kampagne, die zu Ende geht. Die Fröhlich Pfalz war widda wunderschää.“

Ganz theatralisch wurde es dann, als der Leichenzug kam: Die Elferräte bugsierten die tote Fasnacht – verkörpert vom leichenhaft geschminkten Sascha Vitello – herbei. Thomas Friedel, der auch die Rolle des närrischen Pfarrers übernahm, bedauerte in seiner Rede nochmals den Verlust der Fasnacht: „Dieser Tod soll nicht das Ende bedeuten, wir hoffen auf eine Auferstehung am 11.11. im Jahre des Herrn 2019.“ Aus diesem „fundamentierten“ Glauben schöpfen die Narren der Fröhlich Pfalz Hoffnung, Trost und Zuversicht auf die neue Kampagne, erklärte „Pfarrer“ Thomas Friedel.

Vorstand Dietmar Beck begrüßte unter den Gästen Ehrenmitglied Hans Eppel, Senatorin Helen Heberer und Peter Hofmann, Vorstand des Reitervereins Mannheim. In seiner Rede beklagte sich Beck über die Platzvergabe beim gemeinsamen Umzug der Städte Mannheim und Ludwigshafen. Seinem Ärger über die Übertragung des Zuges machte er Luft: „Alle, die Werbung für irgendwas machten, wurden gezeigt, von uns war nichts zu sehen.“

In der voll besetzten Halle, eigentlich eine Garage für Reisebusse, ließen sich die Gäste die Heringe bei feierlicher Stimmung schmecken.