Sandhofen

Sandhofen Bezirksbeiräte diskutieren über geplante Schließung der Kita Füllenweg bis August 2021 / Bürger und Förderverein sehen Stadt in der Pflicht

„Thema seit Jahrzehnten verschlafen“

Archivartikel

Nach der Entscheidung der Evangelischen Kirche in Mannheim, zum 31. August 2021 die eingruppige Kita Füllenweg auf dem Scharhof zu schließen (wir berichteten), reißen die Diskussionen nicht ab. Auch in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung im Bartholomäussaal meldeten sich Beiräte und Bürger mit emotionalen Beiträgen zu Wort.

Beifall der Zuhörer

„Kinder sind unsere Zukunft, wir müssen die Attraktivität des Scharhofs als junger Vorort aufrecht erhalten. Es kann nicht sein, dass ein Stadtteil abgehängt wird“, sagte Bezirksbeiratssprecher Wilken Mampel (CDU) unter Beifall der Bürger. Jenny Bernack (SPD) erklärte, dass Sandhofen zu den am schlechtesten versorgten Stadtteilen gehöre.

„Wir als Stadtverwaltung haben erst im Juni davon erfahren. Es ist eine Entscheidung der Kirche, die wir bedauern, aber respektieren müssen“, erklärte Christoph Beil als Vertreter der Verwaltung. Die Stadt habe beschlossen, den Kindergarten in der Groß-Gerauer Straße vier- statt dreigruppig zu bauen. „Wir prüfen, ob der Füllenweg mit einem neuen Träger erhalten wird.“

Investor hat Interesse

Ein Investor, der nicht genannt werden wolle, sei bereits gefunden: „Er hat Interesse, auf dem Scharhof eine entsprechende Einrichtung zu bauen“, so Beil. Der Standort sei aber unklar. „Wir sind im Dialogprozess. Ich kann Ihnen versichern, dass wir intensiv an Lösungen arbeiten“, so der Vertreter der Verwaltung. Zudem investiere die Stadt bis 2021 insgesamt 30 Millionen Euro in Kinder und Jugendliche, so Beil, dazu gehörten auch 21 neue Krippengruppen und 27,5 neue Kindergartengruppen.

Beil fügte hinzu, dass es der Kirche bei der Entscheidung zur Schließung nicht nur ums Geld gehe. Dem widersprach Pfarrer Wolfgang Langpape, es gehe allein um finanzielle Gründe: „Wir haben 48 Kitas, und viele sind stark sanierungsbedürftig. Wir sind zu Kürzungen gezwungen, diese treffen auch andere kirchliche Gebäude.“ Beiräte und Bürger forderten die Stadt auf, die Initiative zu ergreifen: „Die Stadt hat es allgemein verpennt, genügend Plätze bereitzustellen und das Thema seit Jahrzehnten verschlafen. Kümmern sie sich um die Randstadtteile“, forderte Timo Kessler, Mitbegründer des Kita-Fördervereins, unter dem Beifall der Zuhörer.

Bürger Hans Betz erklärte, dass die Stadt in der Bringschuld sei und sich um den Erhalt der Kita kümmern müsse. Auch der Scharhöfer Lothar Geis sah die Verwaltung in der Pflicht und forderte zum Nachdenken auf: „Die Investitionen ins Nationaltheater kann ich ja verstehen, aber nicht in die Bundesgartenschau auf einem neuen Gelände, wenn der Luisenpark und Herzogenriedpark gleichzeitig um Geld betteln. Der Kindergarten muss städtisch sein.“

Beil erklärte, dass es auch das Ziel der Stadt sei, die Kita zu erhalten: „Wir arbeiten gut mit der Kirche zusammen.“ Bernd F. Siegholt (Freie Wähler/ML) erklärte, dass sich der Scharhof bedeutend erweitert habe. Er brachte den Scarra-Garten als möglichen Standort ins Spiel. Auch das städtische Gebäude der Feuerwehr sei kostengünstig nutzbar. Gerhard Siegmann (CDU) warf der Stadt vor, kein Interesse an einem Kindergarten auf dem Scharhof zu haben: „Sonst würde sie die Kirche höher bezuschussen.“ Mampel erklärte, dass man auf dem Scharhof durchaus eine zweigruppige Einrichtung bauen könnte: „Der Bedarf ist da.“

Weg an A 6 vorbei

Auf Unverständnis stieß der Weg in der Sitzungsvorlage, den die Stadt den Scharhöfern vorschlägt, um zu Einrichtungen in Sandhofen zu kommen: „Er führt über die Bundesstraße und an zwei Autobahn- Auf- und Abfahrten vorbei“, so Siegholt. Martina Klein (CDU) fand die Wegedauer von 23 Minuten zu lang. Sitzungsleiter und Stadtrat Egon Jüttner (CDU) forderte von der Verwaltung eine schnelle Rückmeldung: „Ich hoffe, dass wir hier gut vorankommen und Sie uns zeitnah informieren.“