Sandhofen

Sandhofen Bezirksbeiratssitzung zur Schaffung eines Biotopverbunds Mannheim-Nordwest / Beteiligungsverfahren bis 21. Mai / Sorgen um Kaltluft aus dem Norden

„Und hier drehen wir den Hahn zu?“

Noch bis Pfingstmontag, 21. Mai, können sich Bürger über die Unterlagen des Biotopverbundes Mannheim Nordwest informieren und so am weiteren Prozess beteiligen. Der Fachbereich Stadtplanung nimmt Hinweise, Anregungen und Bedenken entgegen, die schriftlich mitgeteilt werden. Die Bezirksbeiräte hatten das Thema in ihrer jüngsten Sitzung behandelt und von der Stadt Aufklärung gefordert.

Schon vieles umgesetzt

„Wir haben schon gut zwei Dutzend Maßnahmen umgesetzt“, sagte Christian Konowalczyk von der zuständigen städtischen Abteilung im Saal des Lutherhauses. Nun gehe es um den zweiten von drei Planungsabschnitten. Dieser konzentriere sich auf den Bereich nördlich des Neckars und westlich der Riedbahn.

Wie schon im ersten Abschnitt Mannheim-Mitte/Süd gehe es darum, durch verschiedene ökologische Maßnahmen ein Netz verbundener Biotope zu schaffen. Ziel ist laut einer Mitteilung der Stadt die dauerhafte Sicherung der Populationen wildlebender Tiere und Pflanzen, aber auch die erhöhte Attraktivität der Landschaft für die Naherholung – alles in Kooperation mit der Landwirtschaft.

„Im Sandtorfer Bruch gibt es 6000 Jahre alte Moore, diese Flächen sind wertvoll für extensives Grünland“, so Konowalczyk. Zu den Maßnahmen im Nordwesten gehören neben Amphibien-Leiteinrichtungen entlang der B 44 auch die Sandrasenerhaltungspflege im Bereich des Coleman-Areals, die Pflege von Extensiväckern, die Entwicklung von Grünland- und Streuobstwiesen, Gras- oder Krautsäumen sowie das Anlegen von Teichen, Tümpeln und Flachwasserzonen. Begrünungen oder Umbauten von Wäldern sind ebenfalls geplant.

Die Bezirksbeiräte äußerten sich kritisch: „Wo jetzt unsere Äcker sind, ist bei Ihnen extensives Grünland eingezeichnet“, sagte CDU-Sprecher Wilken Mampel und wies darauf hin, dass der Norden „das größte Kaltluftentstehungsgebiet für Mannheim“ sei. „Die Kaltluft wird uns irgendwann viel Geld kosten. Wir können das schönste Gebiet machen, aber was nutzt es uns, wenn wir es nur noch mit Klimaanlagen aushalten können? Wir geben Millionen für den Grünzug-Nordost aus, und hier drehen wir den Hahn zu?“, fragte Mampel. Stadtrat Roland Weiß (Freie Wähler/ML) erklärte, das ein zweites Gutachten ohnehin gezeigt habe, dass der Grünzug „für Mannheim keine Frischluft“ bringe.

Konowalczyk erklärte, dass es ein Anliegen der Stadt sei, alles mit den Landwirten abzustimmen. „Solche Dinge gehen nur mit Ersatz für die Landwirte, niemandem soll etwas weggenommen werden. Wir können uns gerne treffen und alles noch mal durchgehen.“

SPD-Beiratssprecherin Jenny Bernack sprach das Thema Vernässung an: „Die Anwohner sorgen sich, dass ihre Immobilien Schaden nehmen.“ Konowalczyk erklärte, keine Feuchtigkeit eindringe. Bernd F. Siegholt (Freie Wähler/ML) schlug vor, zwischen dem Mannheimer Norden und dem Biedensand im hessischen Lampertheim eine Verbindung zu schaffen. Konowalczyk erklärte, dass angrenzende Flächen berücksichtigt seien und erntete für seine Aussage, dass ein zusammenhängendes Naturschutzgebiet vielleicht schon in Bearbeitung sei, großes Gelächter der Bürger.

Feuchte Keller

Mampel berichtete, dass es nach den Niederschlägen in der Kirschgartshäuser Straße wieder feuchte Keller gegeben habe. „Wir Bezirksbeiräte waren bei der SCA (Essity), und im Blumenauer Wald hat die Firma große Brunnen. Sie wäre bereit, diese in Gang zu setzen und zu sehen, wie sich das auf das Grundwasser auswirkt.“ Sitzungsleiter und Stadtrat Egon Jüttner (CDU) resümierte, dass es viele kritische Fragen gegeben habe: „Wir können davon ausgehen, dass das Thema wieder auf die Tagesordnung kommt.“