SAP

Software Betriebsrat kritisiert laufende Restrukturierung und befürchtet Verlust wertvollen Wissens / Vereinbarung für Beschäftigungssicherung soll vor Ostern stehen

„Kollegen haben SAP meist unfreiwillig verlassen“

Archivartikel

Walldorf.Kurz vor dem Start des größten und teuersten Restrukturierungsprogramms in der Geschichte der Walldorfer SAP mehren sich aus dem Arbeitnehmerlager deutlich kritische Töne. In Ländern ohne Betriebsrat, in denen die Umsetzung bereits begonnen hat, hätten bereits viele Kollegen das Unternehmen „meist unfreiwillig“ verlassen, schreibt die Betriebsratsspitze in Walldorf an die Belegschaft. Vor allem in Nord-Amerika und Asien. Aber auch in Deutschland spüre man die ersten Auswirkungen davon: „Speziell in den globalen Teams müssen die Kollegen die Verluste kompensieren, denn die Aufgaben sind geblieben.“

Bei SAP startet am Montag auch in Deutschland ein Freiwilligen- und Vorruhestandsprogramm, in dessen Zuge unternehmensweit rund 4400 Stellen wegfallen sollen. Mitarbeiter, die ausscheiden wollen, können sich bis zum 5. Mai dafür registrieren. Im Gegenzug will SAP in Wachstumsbereichen neue Jobs aufbauen, insgesamt soll die Belegschaft dadurch weiter wachsen. Dieser Personalumbau sei nötig, um sich auf neue Technologien einstellen zu können, hatte Konzernchef Bill McDermott die Maßnahme Ende Januar begründet.

Gleichzeitig will der Softwarekonzern durch die Restrukturierung aber auch rund 850 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Zunächst einmal kostet das Ganze aber Geld: Bis zu 950 Millionen Euro – vor allem für Abfindungen – hat die SAP vorgesehen. In Deutschland könnten bis zu 1200 Stellen wegfallen, die meisten über Vorruhestandsregelungen. „Das wird sicher noch weitere Lücken reißen“, befürchtet der Betriebsrat. „Wir können nur hoffen, dass SAP dabei nicht zu viel wertvolles Know-how unwiederbringlich verloren geht“.

Kosten von 950 Millionen Euro

Parallel zu dem Restrukturierungsprogramm diskutiert der Betriebsrat momentan eine Beschäftigungssicherung für alle, die bleiben. „Unser Ziel ist es, einerseits für alle klare Perspektiven im Unternehmen aufzuzeigen und andererseits die mit den anstehenden Veränderungen stattfindenden Maßnahmen in geregelte Bahnen zu lenken.“ So dürfe die Restrukturierung nicht zu „unzumutbaren Arbeitsverdichtungen führen“. Betroffenen Mitarbeitern müsse „mindestens eine gleichwertige Stelle angeboten“ werden. Und auf dem SAP-internen Stellenmarkt müssten die Betroffenen „bevorzugt berücksichtigt werden“. Außerdem pocht die Arbeitnehmervertretung auf Weiterbildungsmaßnahmen, die nicht am Geld scheitern dürften.

Auch die Geschäftsführung sei prinzipiell offen für eine Beschäftigungssicherung., sagte ein Sprecher gestern. Eine entsprechende Vereinbarung war eigentlich für diese Woche anvisiert worden, der Betriebsrat sieht aber noch Bedarf für eine Nachschärfung in einzelnen Punkten. Am Ende könnte auch ein expliziter Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen stehen.

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