SAP

Aufsichtsratswahl Konzern mahnt Arbeitnehmer zu fairer Kandidatenkür / Betriebsratsvorsitzender kritisiert fehlende Sanktionen

SAP-Kodex gegen „Schlammschlachten“

Archivartikel

Walldorf.Nach den regelrechten Schlammschlachten der Vergangenheit hat die Geschäftsführung des Softwarekonzerns SAP im Vorfeld der aktuellen Wahl der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erstmals „Grundprinzipien der Wahlwerbung“ präsentiert. In einem vertraulichen Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, wird dabei beispielsweise an die „Wahrung des Betriebsfriedens“ erinnert. Diffamierende Angriffe gegen andere Kandidaten, Mitarbeiter oder das Unternehmen selbst seien zu unterlassen, heißt es darin. Auch dürfe es durch den Wahlkampf nicht zu Störungen des Betriebsablaufes kommen.

Bei SAP werden noch bis zum 13. März die Arbeitnehmervertreter für den Aufsichtsrat gewählt. Alle Mitarbeiter mit deutschem Arbeitsvertrag können teilnehmen, 19 Kandidaten haben sich für die sechs Arbeitnehmersitze beworben, weitere drei entsendet der Europäische Betriebsrat. Die Posten sind begehrt, weil sie direkten Einfluss auf die Geschicke des Konzerns versprechen und entsprechend lukrativ sind. Laut Geschäftsbericht erhielt ein Aufsichtsrat bei SAP 2018 eine feste Vergütung von 165 000 Euro plus weitere Zahlungen für die Ausschussarbeit.

Bei früheren Wahlen wurde um die Posten teilweise sogar in der Öffentlichkeit mit harten Bandagen gekämpft. Häufig ging es dabei um den Verdacht, dass das Unternehmen Wohlwollen gegenüber einzelnen Arbeitnehmervertretern walten lassen könne – in der Hoffnung, dafür von ihnen Gleiches zurückzubekommen.

So eine Schlammschlacht soll sich nun nicht mehr wiederholen: „Der faire und professionelle Umgang miteinander ist fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur“, begründete Cawa Younosi, Personalchef Deutschland, die neuen „Grundprinzipien der Wahlwerbung“. Auch Ralf Zeiger, Vorsitzender des Betriebsrates, steht grundsätzlich hinter dem Vorgehen: „Ich finde solche Regeln gut“, sagte er auf Anfrage. Im laufenden Wahlkampf zeige sich allerdings, dass sich nicht alle Kandidaten entsprechend verhielten, was auch daran liegen könne, dass sich nicht alle Kandidaten mit den Grundprinzipien einverstanden erklärt hätten und bei Verstößen auch keine Sanktionen vorgesehen seien.

Amtszeit endet Mitte Mai

Die Amtszeit des aktuellen Aufsichtsrates der SAP läuft Mitte Mai ab. Vorsitzender des Gremiums ist Mitgründer Hasso Plattner. Der 75-Jährige hatte bereits angekündigt, für dieses Amt voraussichtlich noch drei weitere Jahre zur Verfügung zu stehen.