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Software Walldorfer Konzern übernimmt US-Mitbewerber / Arbeitnehmervertreter klagen über zu geringe Lohnsteigerungen

SAP steckt Milliarden in Cloud

Archivartikel

Walldorf.SAP will weiter auf der Datenwolke fliegen. Von dem Cloud-Geschäft verspricht sich Europas größter Softwarekonzern starkes Wachstum. Die Schattenseite: Die Gewinnmargen sanken in den vergangenen Jahren, weil die neue Technik viel Geld verschlingt. Die Wende soll nun ein riesiger Zukauf bringen. Für rund 2,4 Milliarden Dollar (knapp zwei Milliarden Euro) übernimmt der Walldorfer Konzern den Cloud-Anbieter Callidus Software, den SAP-Vorstandschef Bill McDermott gestern bei einer Pressekonferenz als „innovativste Firma auf ihrem Gebiet“ bezeichnet.

Großer Mitbewerber

Der Vorstand von Callidus Software habe demnach dem Geschäft bereits zugestimmt. Nun müssten noch die Aktionäre und die zuständigen Kartellbehörden ihren Segen geben. Der Abschluss der Übernahme ist für das zweite Quartal 2018 geplant. Der US-Konzern, auf dem Markt eher bekannt unter dem Namen CallidusCloud, ist einer der Mitbewerber auf dem Cloud-Markt. Für SAP ist es die größte Übernahme seit 2014. Damals kaufte das Unternehmen Concur, ebenfalls ein Cloud-Anbieter.

Bei dem Geschäft mit der Datenwolke wird Software nicht mehr in Form von Lizenzen an Kunden verkauft. Stattdessen bleiben die Programme in den Rechenzentren der Anbieter wie SAP oder CallidusCloud und werden von dort aus lediglich an die Nutzer vermietet.

Ein gewinnträchtiges Zukunftskonzept, wie die Konzernspitze findet. Wie versprochen, habe man „im vierten Quartal die Wende bei der Marge eingeleitet“, sagt Finanzvorstand Luka Mucic. Tatsächlich nahm die Zahl der Neuverträge im vierten Quartal um 31 Prozent zu. „Wir haben ein schnelles Wachstum in der Cloud versprochen und Wort gehalten“, sagte Vorstandschef Bill McDermott.

Im Gesamtjahr 2017 stiegen sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich. Auf dem Aktienmarkt sorgte das Ergebnis gestern für verhaltene Reaktionen, da Analysten im Vorfeld bessere Zahlen in Aussicht gestellt hatten. McDermott ist jedoch überzeugt: „Die Zukunft der SAP ist grundsolide.“

Wermutstropfen Gehaltserhöhung

Optimismus, der auch die Belegschaft des Softwarekonzerns erreicht. „Die Zahlen sind insgesamt gut, auch wenn die Erwartungen im Vorfeld etwas höher geschraubt wurden“, bewertet Klaus Merx, Betriebsratsvorsitzender der SAP, die Ergebnisse. Weltweit sei der Konzern gewachsen, was sich auch auf die Mitarbeiter auswirke. „Die Stimmung ist insgesamt gut, und wir können froh über ein stabiles Unternehmen sein“, so Merx.

Alles gut also? Einen Wermutstropfen gebe es: Bei solch einem Wachstumskurs wolle man auch entsprechende Lohnsteigerungen. Da erwarte man mehr als das Plus von drei Prozent, das der Konzern in der vergangenen Woche bekanntgegeben hatte. „Mit dieser Gehaltserhöhung schaffte man den Inflationsausgleich nicht“, sagt Merx. Außerdem sei es fraglich, ob der Erfahrungszuwachs jüngerer Kollegen damit entsprechend vergütet werde.

Aussicht auf weitere Stellen

Nach Betriebsratsangaben sind derzeit rund 16 000 Mitarbeiter bei der SAP in Deutschland beschäftigt, davon rund 84 Prozent an den Standorten Walldorf und St. Leon-Rot. 2017 kamen in Deutschland rund 850 Arbeitsplätze hinzu, 2018 sollen weitere folgen.

Diese Prognose wagt Deutschland-Personalchef Cawa Younosi: „Auch 2018 werden wir wachsen.“ Eine Zahl wolle er jedoch nicht nennen. Dass kräftig in den Standort Walldorf investiert werde, zeige sich durch die vielen Baustellen auf dem Konzerngelände. Für 2018 kündigte der Konzern an, die Umsatzrendite – das, was vom Umsatz als Gewinn vor Steuern und Zinsen übrig bleibt – weiter zu steigern. Zudem solle erstmals mehr Umsatz mit der Cloud als mit dem klassischen Lizenzgeschäft erzielt werden.

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