SAP

Software Finanzchef Luka Mucic sorgt sich um Europas Anschluss im globalen Wettbewerb / Chancen liegen bei industriellen Anwendungen

SAP-Vorstand beklagt fehlenden IT-Nachwuchs

Archivartikel

Walldorf.Der Finanzvorstand des Softwarekonzerns SAP, Luka Mucic, beklagt einen Mangel an talentierten IT-Nachwuchskräften in Deutschland. „Wenn wir nur in Deutschland rekrutieren würden, würden wir nicht die Kompetenzen bekommen in der Quantität, aber teilweise auch Qualität für manche Themen“, sagte Mucic im Stuttgarter Wirtschaftspresseclub. „Deswegen stellen wir natürlich global ein.“

SAP hat rund 100 000 Mitarbeiter, davon etwa 21 000 in Deutschland, und ist von der Marktkapitalisierung her das wertvollste deutsche Unternehmen. Im internationalen Vergleich schafft es der Walldorfer Konzern aber nicht in die Top 40. Dass Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt mit seiner ersten Firma „irgendwo in den Vierzigern“ lande, stimme „schon nachdenklich“, sagte Mucic. Die Liste der wertvollsten Unternehmen nach Börsenwert wird angeführt von den US-Konzernen Apple, Microsoft, der Google-Mutter Alphabet, Amazon und Facebook.

„Da ist der Zug abgefahren“

Mucic sagte: „Wir haben das Konsumenteninternet definitiv an die Amerikaner verloren und jetzt zunehmend auch an die Chinesen.“ Da sei „der Zug abgefahren“. Wachstumschancen für europäische IT-Unternehmen bestünden aber noch im Feld industrieller Anwendungen, wo industriespezifische Prozesskompetenzen gefragt seien. Diese seien gerade in Deutschland vorhanden.

Das „Wohl und Wehe“ der europäischen Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Bereich generell hänge davon ab, ob es Unternehmen schafften, „in wesentlichen Zukunftskompetenzen skalierfähig“ zu werden. Unter Skalierbarkeit versteht man, inwieweit Unternehmen ihren Umsatz steigern können, ohne permanent in nennenswerter Größe neu in Produktion und Infrastruktur investieren zu müssen. Mucic ist seit 2014 SAP-Vorstand und auch Aufsichtsrat bei HeidelbergCement. dpa

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