Schönau

Sandhofen Nora Noé liest beim zehnten Schönauer Literaturabend aus ihren beiden Mannheim-Krimis

Dem Kanalkiller auf der Spur

Eine Säuberungsaktion an der Mannheimer Teufelsbrücke fördert Grauenvolles zutage. Der grüne Müllsack, der im Verbindungskanal treibt, beinhaltet keinen Abfall, sondern eine Frauenleiche. Autorin Nora Noé führte die Besucher des zehnten Schönauer Literaturabends in der Sandhofener Bücherei-Zweigstelle auf die Spuren des Kanalkillers.

Liegt der Schlüssel zur Lösung des Falls „Tod im Jungbusch“ vielleicht in der Vergangenheit? Mit der nächsten Szene versetzte Noé die Zuhörer in das wilde Leben einer Frauen-WG in den 70er Jahren. Belustigtes Raunen ging durch die Reihen, als sie das ehemalige Alstercafé und die Diskothek Scala erwähnte. Auch die Spatzenbrücke und die alte Kaufmannsmühle als Schauplätze des Mordes an einer Fotografin waren den meisten Zuhörern vertraut.

Reichlich Lokalkolorit und eine spannende, durchdachte Handlung prägen die Bücher der Schriftstellerin. Noé ist eine waschechte Mannheimerin, geboren und aufgewachsen im Jungbusch. Der lange verpönte Stadtteil dient ihr als Inspiration für ihre Bücher. „Aber nicht nur im Jungbusch geht es kriminell zu“, lachte sie. Daher habe sie die „Blutspur nach Mannheim“, ihren zweiten Krimi, in eine Villa in der Oststadt verlegt. „Es tauchen viele Tote und Teile von Toten auf“, warnte die Autorin.

Noch aber lachten die Zuschauer über die anschaulich geschilderten Nöte in einer viel zu engen Umkleidekabine eines bekannten Mannheimer Kaufhauses. Da kullerte aus dem Nichts ein Kopf aus einer Plastiktüte. „Ich habe in die Trickkiste gegriffen und die brutale Szene durch den Dialekt etwas entschärft“, verriet Noé.

Drittes Buch der Reihe geplant

„Mein Herzblut hängt eigentlich an historischen Büchern“, erzählte die Autorin im Gespräch. Sie freue sich aber, auch einmal ihre kriminelle Seite zeigen zu können. Mittlerweile sei bereits das dritte Buch der Reihe in Planung. „Selbst in den Krimis sind mir die geschichtlich-politischen Hintergründe wichtig“, betonte sie.

Was haben eigentlich „eiskalt erschlagene Einbrecher“ mit „gnadenlos Gewalt gebrauchenden Gangstern“ oder „todesmutigen Touristen“ gemeinsam? Die Schlagzeilen stammen aus Noés Beitrag zur Anthologie „Mannheim auf die kriminelle Tour“ und sorgten beim Publikum für viel Heiterkeit.

Die Schönauer Bibliotheksleiterin Elisabeth Weingärtner und Cordula Rößler vom Förderverein freuten sich über den großen Andrang. Obwohl die Lesung aufgrund der abgebrannten Zweigstelle in die Stadtteilbibliothek Sandhofen verlegt werden musste, war der Saal voll besetzt. „Passen Sie auf dem Heimweg auf, sie wissen jetzt wie gefährlich es da draußen sein kann“, verabschiedete sich die Schriftstellerin augenzwinkernd von ihrem begeisterten Publikum.