Schönau

Schönau The Great Machine, The Color of Iris und Eternal Engine rocken das Jugendhaus / Hauptgruppe kommt aus Tel Aviv

Sound wie ein Erdbeben

Archivartikel

Hinter den Trommeln wirbelte Schlagzeuger Corbinian Schwarz mit nacktem Oberkörper. Im Bühnenhintergrund flackerten farbintensive Scheinwerfer. Mit eingestreuten Soli ließ Sänger Uwe Halmich seine E-Gitarre schrill aufjaulen, verbunden mit einem schwermütigen und an Vorbilder wie Kyuss erinnernden Tiefton-Sound. Im Jugendhaus auf der Schönau stieg ein Rock-Konzert mit den drei hypnotisch tönenden Stoner-Rock-Bands The Great Machine, The Color of Iris und Eternal Engine. The Great Machine kommen aus dem fernen Tel Aviv in Israel und krönten die Auftritte als Hauptgruppe.

„Wir wollen jetzt öfter Konzerte veranstalten. Hauptsächlich mit jungen Bands, ob von nah oder fern. Musiker können sich bei uns bewerben“, erklärte Diplom-Sozialpädagoge Andreas Bauder, der seit 1983 im Jugendhaus Schönau arbeitet und die Konzerte organisiert.

Auf der Bühne in der kleinen Turnhalle des Schönauer Jugendhauses zupfte Bassist Bouke van Haasteren wuchtige Bass-Läufe. Für seine Songtexte lässt sich Eternal-Engine-Gitarrist Uwe Halmich, der mit seinen beiden Bandkollegen aus Bretten bei Karlsruhe stammt, von Dichtern wie Percy Shelley inspirieren, zum Beispiel in dem Song „The Masque of Anarchy“ als Vertonung eines Shelley-Gedichtes gleichen Namens. „Es geht darin um gewaltlosen Widerstand“, erläuterte Halmich, der einen schwarzen Rauschebart trägt und dessen Vater Franz Halmich ein Gründungsmitglied der Schlager-Gruppe Die Flippers war. Außerdem behandeln die Texte des Trios Eternal Engine düstere Themen wie die mittelalterliche Hexenverfolgung.

Mit etwas luftigerem Groove und Funk-Rhythmus-Einschlag, der an die Red Hot Chili Peppers erinnert, trat danach die Stoner-Rock-Truppe The Color of Iris auf. Während einer lärmenden Rückkopplungs-Orgie rüttelte Bassist Maxi Vrba an seinem Viersaiter, um jede Note einzeln aus seinem E-Bass herauszuschütteln. Abgrundtief klingt der apokalyptische Sound des Quartetts, weshalb sich die Mannheimer Band mit den Seattle-Sound-Pionieren Soundgarden vergleichen lässt.

Als Höhepunkt ließen The Great Machine aus Tel Aviv donnernd die Turnhalle erbeben. Mit heftigen Hieben und verzerrtem Gesicht schlug Schlagzeuger Michael Izaki auf seine scheppernden Becken ein – staubig wie Wüstensand, schleppend im Tempo und im Geiste der kalifornischen Low-Tune-Kultur.

Ein wenig klingen die drei Israelis, die in wenigen Tagen in ihrer nahöstlichen Heimat im Vorprogramm von Ozzy Osbourne spielen werden, wie die in der Szene etablierte Kult-Formation King’s X. Auf der Bühne hüpfte der singende Saitenhexer Omar Haviv wild auf und ab.

Nebenberuf als Koch

Vor zwei Monaten feierte der Staat Israel sein 70-jähriges Bestehen. Haben die drei Rocker von The Great Machine mitgefeiert? „Ich liebe mein Land, ich bin aber kein großer Patriot und war auch nicht in der israelischen Armee“, erzählte Sänger und Gitarrist Omar Haviv, der in seinem Gesicht silberne Piercings trägt, nach dem erdbebenhaften Auftritt. „Ich gestalte meinen persönlichen Mikrokosmos“, betonte Bandchef Haviv, der im Nebenberuf als Koch in einem Café arbeitet.

Am heutigen Freitag treten The Great Machine auf dem Hamm Open Air nördlich von Worms auf. Eintritt 13 Euro, Beginn Mitternacht.