Schönau

Schönau Literaturabend mit Johanna Schmidt / Einblicke in eine Kindheit auf dem Lande kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs

Statt Autos fuhren Ochsengespanne

„Das war ein fulminanter Abend“, freute sich Johanna Schmidt. Gemeinsam mit Krimiautorin Iris Welling hatte sie zuvor in der Stadtteilbibliothek Schönau beim Literaturabend des Freundeskreises für einige Schmunzler gesorgt. „Das ist Romantik pur“, schwärmte Moderatorin Edith Klebs – und meinte damit die von Johanna Schmidt literarisch vorgetragenen Erinnerungen an „Eine Kindheit auf dem Lande“.

Diese spielt im letzten Zipfel der Westpfalz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Zähne putzen sei damals nicht üblich gewesen, erinnerte sich Schmidt. Zu Essen habe es kaum etwas gegeben, da die Familie über keinen Versorgergarten verfügt habe. Tagsüber gehörte die Straße den Kindern. Autos gab es keine, „nur Ochsen- oder Pferdegespanne“, erzählte sie. In kalten Nächten saß man vor dem Küchenherd, das einzige Bilderbuch hieß Frau Holle.

Geschrieben habe sie schon immer, sagte Schmidt: „Als meine Enkel kamen, fing ich mit Mundartgedichten und -prosa wieder an.“ Vor 15 Jahren erfolgte dann die Ausbildung zur Vorlesepatin. In dieser Rolle überzeugte sie auch mit selbstverfassten Kindergeschichten. In den nun vorgetragenen Erinnerungen schwingt dagegen nur ab und zu der Schalk der Jugend mit. Es sind eher die starken Gefühle, die die Geschichten tragen – nicht ganz frei von Melancholie.

Leider gebe es weder Fotos noch Angehörige, „mit denen ich meine Erinnerungen austauschen könnte“, bedauerte Johanna Schmidt. „Um sie für meine Kinder und Enkelkinder nicht verloren gehen zu lassen, habe ich sie aufgeschrieben.“

Der Leser schlittert so durch den „Winter auf dem Lande“ mit den kindlichen Freuden beim Schlittenfahren. Im Frühling dann die ersten Besuche der kleinen Johanna beim Lesen. Im Sommer sind es die weiten Wege, „die wir gehen mussten, denn acht Kilometer waren gar nichts“. Den Abschluss bildete das Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“, das Moderatorin Edith Klebs auf Wunsch der Autorin rezitierte.

Iris Welling stellt ersten Krimi vor

Schon zuvor hatte Iris Welling ein anderes Genre bedient. Die Autorin aus Sandhofen stellte ihren ersten Krimi vor: „Späte Rache rostet nicht.“ Die Handlung spielt ausgerechnet im Stadtteil Schönau, wo vier Bewohnerinnen einer Seniorenresidenz auf Rachefeldzug gehen. Dass es dabei auch zu Morden kommt, ist für einen Krimi nicht überraschend. Allerdings setzt Welling hübsch dosierte Pointen, die mit schwarzem Humor ordentlich aufs Zwerchfell zielen.

Nicht überraschend war, dass die Autorin häufig mit dem Signieren ihrer Bücher beschäftigt war. Drei Jahre habe sie, „allerdings nicht am Stück“, an „Späte Rache“ geschrieben. Vor allem bei Hauptfigur Barbara musste sie am Ende einige autobiografische Züge konstatieren. Zudem habe sie viel Recherchearbeit hinter sich. „Dabei habe ich festgestellt, dass es gar nicht so friedlich in den Residenzen zugeht“, unterstrich sie mit einem Schmunzeln.

Moderatorin Edith Klebs jedenfalls war von dem Krimi so gebannt, „dass ich beinahe meine Muffins im Ofen vergessen hätte“. Da dürfte es sie freuen, dass Iris Welling bereits eine Fortsetzung geplant hat. „Was wie passiert, weiß ich noch nicht“, betonte die Autorin. Auf jeden Fall komme eine neue Dame hinzu. jba