Schriesheim

Schriesheim Heinrich-Sigmund-Gymnasium feiert heute mit einem Festakt sein 125. Jubiläum

1894 in Mannheim gegründet, seit 74 Jahren auf dem Branich

Archivartikel

Sie ist eine ganz besondere Einrichtung nicht nur für Schriesheim, sondern für die gesamte Region. Und dies nicht nur wegen des stattlichen Alters von 125 Jahren, sondern auch wegen ihrer Konstruktion: als private Schule, seit Anbeginn unter Leitung der gleichen Familie, inzwischen in der fünften Generation. Heute feiert das Heinrich-Sigmund-Gymnasium mit einem Festakt sein außergewöhnliches Jubiläum.

Der Blick schweift zurück an den Beginn der 1890er Jahre. Heinrich Sigmund, 32 Jahre jung, Neuphilologe und Historiker, fasst den Entschluss, eine eigene Schule zu gründen. Am 20. Oktober 1894 ist es soweit: Das „Institut Sigmund“ nimmt seine Arbeit auf, im Herzen Mannheims, in den Quadraten nämlich, zunächst in B 6, 22 a, später in A 1, 9.

Zu Beginn auch Internat

Zu Beginn seiner Existenz ist das Institut sowohl Schule als auch Internat – letzteres, weil viele Schüler nicht nur aus Mannheim, sondern auch von weit darüber hinaus kommen und daher auch übernachten. Der Unterricht dient dazu, Qualifikationen für Prüfungen zu höheren Abschlüssen zu erwerben, die im Gegensatz zu heute übrigens noch außerhalb der Schule abgelegt werden müssen. Dennoch ermöglicht das Sigmund damit in einer Zeit, in der das Bildungssystem Teil der Klassengesellschaft des Kaiserreiches ist, vielen einen sozialen Aufstieg.

Eine Zäsur bildet das Dritte Reich. Privatschulen sind den Nazis ein Dorn im Auge; ihr oftmals humanistisches Leitbild ist ihnen verhasst. Anders als staatliche Schulen entziehen sich ihr Personal und ihre Lehrinhalte dem einfachen Zugriff. Der hohe Anteil jüdischer Schüler macht sie den Nazis zudem suspekt.

Karl Metzger, Schwiegersohn des Institutsgründers und seit 1935 dessen Nachfolger, fällt die schwierige Aufgabe zu, die Schule durch Diktatur und Krieg zu führen. Er tut dies so weit angepasst wie unerlässlich und so selbstständig wie möglich. Noch lange nach 1933 etwa beschäftigt die Schule Lehrkräfte, die als Nazigegner oder wegen ihrer jüdischen Religion aus dem Staatsdienst entlassen sind. Jüdische Schüler werden auch nach entsprechendem Verbot des Staates abends unterrichtet.

Eine weitere Verschärfung tritt durch den Krieg ein. Viele Oberschüler werden in Uniformen gesteckt, für die wenigen verbleibenden ist auf Grund der Luftangriffe geregelter Unterricht kaum noch möglich. Am 19. Oktober 1944 wird das Schulhaus in A 1 bei einem Bombenangriff zerstört und zieht ins Schülerheim am Friedrichsring, bis auch dieses am 6. Januar 1945 in Flammen aufgeht.

Bereits zwei Tage später, am 8. Januar 1945, beginnen Karl Metzger und seine Frau Käthe von neuem – in Schriesheim. Auf dem Branich besitzen sie ein Grundstück mit Wochenendhaus – es wird Sekretariat des heutigen Sigmund-Gymnasiums.

Unterrichtet wird bei gutem Wetter im Freien. Bilder aus jenen Tagen zeigen Lehrer und Schüler mit der Tafel unter Zweigen. „Goethe unter Bäumen“ heißt es in einer späteren Festschrift. In der kälteren Jahreszeit wird im Ausflugslokal „Schauinsland“, in Gaststätten der Kernstadt oder in den Gemeindesälen der Kirchen unterrichtet. Dazu geht es die einzige Zugangstreppe bei Wind und Wetter 460 Stufen hinab und hinauf – heute wohl ein Fall für „amnesty“.

Die Lehrer nutzen Bücher, die aus ihrer eigenen Schulzeit stammen, im Geografieunterricht Landkarten mit Ländern, die es gar nicht mehr gibt. Die Internatsschüler wohnen bei Familien in den umliegenden Häusern.

Stetes Wachstum

Dies ändert sich erst im Laufe der Zeit. 1949 wird der erste „Anbau“ fertiggestellt, dem einige folgen. 1953 ist das erste Bauprogramm beendet. Wichtiger jedoch für das Gedeihen der Schule ist etwas Anderes: Immer noch müssen damals die Abiturprüfungen des Sigmund in öffentlichen Schulen abgelegt werden. 1963 erhält es das Recht, selbst zu prüfen, damit die staatliche Anerkennung, wird später vom „Institut“ auch dem Namen nach zum Gymnasium.

In der Leitung der Schule erfolgt ein Wechsel: Auf Karl Metzger folgt 1960 dessen Tochter Lotte und dieser 1986 deren Neffe Wolfgang. Mit einer Mischung aus Weltläufigkeit und Bodenständigkeit gelingt es ihm, das Haus erfolgreich ins neue Jahrtausend zu führen. Inzwischen ist auch sein Sohn Daniel in der Schulleitung – als fünfte Generation.