Schriesheim

Schriesheim 80 Abiturienten erhalten ihr Reifezeugnis / Jahrgangs-Durchschnitt bei 2,1 / Zwei eindrucksvolle Reden

29 mit Eins vor dem Komma

Achtzig Schüler des Kurpfalz-Gymnasiums haben ihr Abi bestanden – am Samstag wurden sie mit einem Festakt in der Mehrzweckhalle feierlich verabschiedet. Mit einem Jahrgangsschnitt von 2,1 erreichte die Schule ein überdurchschnittliches Ergebnis; 29 Abiturienten meisterten die Prüfungen sogar mit einer „1 vor dem Komma“, wie Schulleiter Jürgen Sollors stolz berichtete.

Neben seiner Ansprache sowie den Grußworten von Bürgermeister-Stellvertreter Michael Mittelstädt und Elternvertreter Ekkehard Grüning dominierten zwei mitreißende Reden die Feier.

„Lasst euch nichts diktieren“

Die erste kam von Scheffelpreisträger Tim Ufer, der mit einer auch humorvollen Rede ebenso begeisterte wie mit seinem Plädoyer für das geschriebene Wort als geheimen Rückzugsort sowie dem – wohl zu überlegenden – gesprochenen Wort . „Wir alle“, bemerkte er, „schreiben gerade an einem Buch, dem Buch unseres Lebens.“ Gerade sei wieder ein Kapitel vollendet, wandte er sich an seine Mitschüler: „Ihr seid der Autor Eures eigenen Lebens. Lasst Euch Euer Leben nicht von anderen diktieren!“ Neben diesem besonderen Buch schreibt der junge Autor übrigens auch seit einigen Jahren als freier Mitarbeiter für den „MM“.

Weiter ging´s mit einer Auseinandersetzung zur Macht des Wortes: Unüberlegte Äußerungen könnten verletzen, ganz zu schweigen von den Folgen, die gedankenloses „Ge-twitter“ auslösen könne, etwa das von US-Präsident Donald Trump. Worte könnten kränken, beleidigen, verletzen, es werde oft viel zu wenig darauf geachtet, was sie bewirken, plädierte der Abiturient für mehr Achtsamkeit. Zuerst zu denken und dann zu sprechen, sei nicht immer leicht, selbst für Erwachsene, aber es lohne sich, es zu üben.

In der Vorbereitung fragte er sich, was denn das mit dem Fach Deutsch zu tun habe. „Deutsch“, so seine Antwort, „kann so viel mehr sein als eine Gedichtinterpretation. Bedacht gewählt, kann es das Leben deutlich bereichern.“ Für seine ernste, aber auch mit einer Portion Humor gewürzte Rede bekam er am Ende einen lang anhaltenden Applaus.

Die zweite Ansprache sollte eigentlich Wunschkandidat Egbert Otte halten; für den erkrankten Pädagogen sprang Eva-Maria Czerny ein, die den richtigen Ton traf, wie der Reaktion der Abiturienten zu entnehmen war.

Ging es doch um die Zukunft der Schüler aus betriebswirtschaftlicher Sicht: „Auf eurem Konto befindet sich ein enormes Guthaben. Ansehnliches Kapital liegt vor, aber es ist Risiko-Kapital“, so Czerny, die fortfuhr: „Den Vertrauensvorschuss, den Lehrer und vor allem Eltern in euch einbezahlt haben, müsst ihr verantwortungsvoll verwalten!“ Das Leben bestehe aus Geben und Nehmen, zudem sei es wichtig, etwas zu wagen. Etwa Menschlichkeit, Zufriedenheit, Geduld und Verzicht; man solle nicht nur auf monetären Gewinn aus sein, sondern überlegen, ob ein käuflich erworbenes Recht, etwa eine Sitzplatzreservierung, unbedingt geltend gemacht werden müsse, auch wenn es zu Lasten Bedürftiger gehe.

Mut zur Zufriedenheit

„Wagt etwas, es wird Euch zurück gegeben“, forderte sie auf und appellierte zum Schluss an den sorgsamen Umgang mit Ressourcen, den Rückgriff auf heimische Produkte statt auf Exotisches. Auch hier sollten die Abiturienten an ihre Zukunft denken: „Viele Leute geben Geld aus, das sie nicht verdient haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen um damit Menschen zu beeindrucken, die sie nicht mögen!“ Mehr Zufriedenheit wagen heiße mehr Freiheit wagen. Verzicht bedeute gesteigerten Lebensgenuss: „Hütet Euch vor der Gier und vor hohlen Scheinbedürfnissen!“

Umrahmt wurde der Festakt mit zwei Sinfonien von Johann Stamitz und Antonin Dvorák, hervorragend interpretiert vom Schul-Orchester unter der Leitung von Janette Schmid. So wurde die Feier ein letzter „Schultag“, der nicht nur den Abiturienten lange in Erinnerung bleiben dürfte.