Schriesheim

Schriesheim Gemeinderat berät Sanierung der Talstraße / Kosten in Höhe von neun Millionen Euro / Auswirkungen auf die Region dank des Tunnels gering

Ab 2020 wird acht Jahre lang gebuddelt

Archivartikel

Der Stadt Schriesheim steht eine der größten Straßenbaumaßnahmen der Region bevor: Ab Mitte 2020 wird ihre Haupterschließungsroute, die Talstraße, in sieben Bauabschnitten saniert. Die Arbeiten sollen acht Jahre lang dauern und neun Millionen Euro kosten. Der Gemeinderat der Weinstadt gab dem Mammutprojekt am Mittwochabend einmütig seine grundsätzliche Zustimmung.

Jahrzehntelang war die Talstraße die zentrale Erschließungsstrecke zwischen Rhein-Neckar-Raum und Odenwald. Mit Inbetriebnahme des Branichtunnels hat sie, zumindest auf dem Abschnitt in der Innenstadt, diese Funktion verloren. Statt 13 000 Fahrzeuge pro Tag nutzen sie derzeit nur noch 4500 bis 6000.

Dies hatte aber auch noch eine andere Folge: Der Verlust ihrer Bedeutung für den übergeordneten Verkehr führte dazu, dass sie von einer Landes- zu einer Gemeindestraße heruntergestuft wurde. Und das heißt: Die Sanierungsarbeiten, die nun unweigerlich anstehen, sind primär Sache der Stadt Schriesheim.

Und dabei geht es nicht nur um den Fahrbahnbelag; in weiten Abschnitten müssen die maroden Wasserleitungen und Kanalrohre komplett erneuert werden. Die dicksten Brocken, sowohl technisch wie finanziell, bilden die beiden Brückenbauwerke über den Kanzelbach.

Die Gaulsbrücke muss komplett abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden. Kosten: mehr als eine Million Euro. Die weiter östlich gelegene Schotterersbrücke ist in ihrer Substanz dagegen noch in einem Zustand, dass sie erhalten und saniert werden kann. Das kostet dann auch „nur“ eine halbe Million. Trost für die Stadt: Im Unterschied zu den Fahrbahnsanierungen werden die Arbeiten an den Brücken vom Land mit bis zu 70 Prozent bezuschusst.

Grundstücke bleiben zugänglich

Eine solch riesige Strecke, wie sie nun saniert werden muss, kann nur in mehreren Bauabschnitten bearbeitet werden – „sowohl aus technischen als auch als finanziellen Gründen“, wie Erich Schulz vom gleichnamigen Planungsbüro betont.

Los geht es daher 2020 im Frühjahr (Bürgermeister Hansjörg Höfer: „Natürlich erst nach Mathaisemarkt“) an der Gaulsbrücke. In den folgenden Jahren arbeitet sich die Baustelle dann immer weiter nach Osten vor, bis der letzte Abschnitt das westlichste Teilstück abdeckt.

Ein zentraler Punkt für Bürger und auch die Stadträte am Mittwochabend war die Frage der Sperrungen. „Für die Anwohner werden ihre Grundstücke zugänglich bleiben“, versichert Schulz. Das gilt auch für Rettungsfahrzeuge und ähnliche Nutzungen. „Durchgangsverkehr ist aber nicht machbar“, stellt er klar. Ist im Normalfall aber auch nicht notwendig, denn dafür gibt es ja den Tunnel. Wie gesagt: Im Normalfall. Denn auch der Tunnel ist an bestimmten Tagen geschlossen, wegen Wartungsarbeiten. „Unser Ziel muss es sein, die Zahl dieser Tage auf ein Mindestmaß zu begrenzen und sie mit unserer Baumaßnahme exakt abzustimmen“, betont Schulz.

Denn: Bürgermeister Höfer machte klar, dass es für diesen Fall eine innerörtliche Umgehung nicht geben kann: „Die wäre überhaupt nur über den Huberweg denkbar, doch das ist nicht praktikabel.“ An diesen wenigen Tagen sei dann nur eine großräumige Umfahrung über Großsachsen möglich. „Ansonsten hat die Baumaßnahme jedoch keine großen Auswirkungen auf die Region“, versichert Höfer.

Rainer Dellbrügge (SPD) sah vor allem in den östlichen Abschnitten Probleme voraus. Auch die prognostizierte Bauzeit hielt er für zu optimistisch: „Das wird mindestens zehn Jahre dauern.“ „Wir können nur hoffen, dass im Untergrund keine Überraschungen warten“, ergänzte Jutta Becker (Freie Wähler): „Fest steht, dass Nutzer und Anwohner viel Geduld brauchen werden.“

Ein zweiter zentraler Punkt: Wie soll die neu gebaute Fahrbahn überhaupt gestaltet werden? Auch hierzu legte ein Planungsbüro erste Ideen vor, die im Rat Zustimmung fanden (ausführlicher Bericht dazu folgt).