Schriesheim

Schriesheim Das Kerg-Museum zeigt Bilder von Barth und Colino

Alles, bloß nicht abstrakt

Archivartikel

„Räume, die keine sind“ – das ist der Titel der neuen Ausstellung im Museum Théo Kerg. Bei jedem Kunstliebhaber setzt das Assoziationen frei. Man fragt sich: Welche Botschaft möchten die beiden Künstlerinnen Pilar Colino und Nicola Barth damit übermitteln? Zahlreiche Besucher taten genau das zur Ausstellungseröffnung am Sonntag.

Begrüßt wurden sie von Lynn Schoene, der Leiterin des Museums Théo Kerg, die für ihr gutes Händchen bei der Auswahl der Künstler bekannt ist: „Die beiden Künstlerinnen hierher einzuladen, kam aus einem Bauchgefühl heraus“, gestand sie. Kennengelernt habe man sich in der Kunstakademie in Salzburg und sich seitdem nie mehr aus den Augen verloren. Schoene war zwischen 2005 und 2009 in Salzburg als Assistentin tätig.

Den ungewöhnlichen Titel der Ausstellung nennt die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel, die das interessierte Publikum in die Ausstellung einführte, ein Paradox: „Räume sind einerseits umbaute Einheiten, die bewohnt werden und die ein Zuhause bieten. Gehen sie verloren, ist der Mensch schutzlos.“

Ebenso gegensätzlich wie der Titel wirken zunächst auch die Werke der beiden Künstlerlinnen. Erst bei näherer Betrachtung zeigt sich etwas Verbindendes.

Die Bilder von Nicola Barth – teils auf Papier, teils in Form von Künstlerbüchern – sind Kompositionen von Formen und Farben. Lässt man sie auf sich wirken, erzählen sie eine Geschichte. Das ist von Barth auch so gewollt: „Bild und Sprache sollen in einer abstrakten Weise ineinandergreifen“, erläuterte sie.

Barth lehnt es aber entschieden ab, ihre Bilder „abstrakt“ zu nennen. Für sie sind sie „nicht gegenständlich“. Ihre Arbeiten seien Momentaufnahmen und durchliefen verschiedene Entwicklungsprozesse: „Nichts bleibt, alles ist im Fluss“, so beschrieb Barth es selbst. Ihre Bilder nennt sie Ausschnitte aus diesem Prozess. Schönheit sei dabei nicht so wichtig.

Siebdruck als Kunsttechnik

Die spanische Künstlerin Pilar Colino hingegen zeigt in der Ausstellung einen Kontrast von gegenständlichen und abstrakten Elementen, die sich miteinander verbinden. Kunsthistorikerin Weigel erklärte, dass Colino vor allem die Siebdrucktechnik anwende: Dabei werden Siebe mit lichtempfindlichen Substanzen beschichtet, mit fotografischen Motiven belichtet und anschließend ausgewaschen, erläuterte Weigel.

Künstlerin Colino liebt es, zu entfremden. So ragen Bergspitzen nach unten, Sitzelemente stehen einsam und verlassen inmitten einer Wüstenlandschaft oder Treppen führen ins Nirgendwo. Mehr als beeindruckend ist eine Serie von Bildmotiven, die eine verlassene Goldmine darstellen, die von riesigen Rohrelementen durchzogen ist und sich wie ein Geflecht über die gegenständliche Bildstruktur legen. Unwillkürlich kommt hier die Frage auf: Was ist real und was ist verfremdet?

Die Ausstellung im Kerg- Museum ist noch bis zum 2. Juni zu sehen. greg