Schriesheim

Schriesheim Stadtrat Georg Grüber feiert heute 70. Geburtstag / Spross eines traditionsreichen Zimmereibetriebes

Als „Treppen-Schorsch“ ein Begriff

Archivartikel

Schon sein Vater, wie er Zimmerermeister von Beruf, ist in Schriesheim als „Treppen-Schorsch“ ein Begriff. Doch längst ist dieser Spitzname auf den Sohn übergegangen, was zeigt, wie sehr dieser im Leben der Stadt verankert ist – als Handwerker, als Vereinsmeier, in der Kommunalpolitik zwar erst in späteren Jahren, dafür umso mehr begeistert, motiviert und engagiert in einem Alter, in dem andere allmählich ans Aufhören denken. Nicht so Georg Grüber, der heute in einem fast jugendlichem Temperament 70. Geburtstag feiert.

Vor vier Jahren zieht er erstmals in den Gemeinderat ein – überraschend für viele, sogar für ihn. Aber irgendwie auch nicht. „Ich bin ja mit halb Schriesheim verwandt“, erzählt er schmunzelnd immer wieder gerne. Mutter Sophie ist eine geborene Forschner, und das sagt kundigen Schriesemern fast schon alles. Hinzu kommt die Verankerung in einem der traditionsreichsten Betriebe, den 1895 sein Großvater begründet.

So ist irgendwie auch für den jungen Schorsch früh klar, dass er den heute 22 Mitarbeiter zählenden Betrieb übernehmen wird. 1966 beginnt er seine Ausbildung, die er 1973 an der Zimmerer-Fachschule in Tübingen als Meister abschließt. 1976 errichtet er neben dem Elternhaus im Gewerbegebiet einen Neubau: das heutige Abbundzentrum, eine der modernsten Anlagen dieser Art im Umkreis von 300 Kilometern.

Viel Sinn für Tradition

Doch bei aller Modernität – Brauchtum ist ihm wichtig. Mit traditioneller Weste und Hut leitet er die Freisprechungsfeiern der Innung Mannheim, für die er als deren Obermeister verantwortlich zeichnet. Der Verband Holzbau Baden-Württemberg nutzt sein Wissen als Vizepräsident.

Sein Fachwissen ist heiß begehrt – bei Vereinen wie der IEWS in den Jahren der bürgerschaftlichen Sanierung des Waldschwimmbades oder im AC, in dem er seinem Hobby Motorradfahren frönt, seit 2014 schließlich auch im Gemeinderat.

Anfangs bei den Freien Wählern, für die er zwei Mal zum Gemeinderat antritt, unterstützt er 2005 den grünen Bürgermeisterkandidaten Höfer – Beginn einer langen Neuorientierung. Von Stadträtin Gisela Reinhard geworben, kandidiert er 2014 für die Grüne Liste und wird gewählt mit rund 3400 Stimmen – dem drittenbesten Ergebnis aller Grünen-Räte.

Natürlich sitzt er im Technischen Ausschuss und als echter Schriesemer im Marktausschuss. Im Rat ist seine Wortmeldung oft schnörkellos knapp, das persönliche Gespräch mit ihm dagegen lang, weil ein angenehmes Erlebnis. Über alle Parteigrenzen hinweg ist sein zuweilen offenes, aber immer herzhaftes Auftreten geschätzt. So hat er sein Wahlversprechen gehalten, das er 2014 abgibt: „Mich nicht zu ändern.“