Schriesheim

Schriesheim Ex-Außenminister Klaus Kinkel war 1999 Ehrengast beim Mathaisemarkt und 2000 Madonnenberg-Pate

An der Bergstraße fühlte er sich wohl

Es ist fast genau 20 Jahre her. Man schreibt Freitag, 12. März 1999, 21.35 Uhr. Ein hochgewachsener, schon äußerlich seriös wirkender Mann in schwarzem Anzug betritt die Bühne des Mathaisemarkt-Festzelts. In den Besucherreihen unter ihm kommt Raunen auf. „Den kenn‘ ich doch“, sinnieren manche. Andere sind sich nicht sicher: Ist er es wirklich? Er war es: Überraschungsgast des „Schriesheimer Abends“ 1999 war Klaus Kinkel, bis fünf Monate zuvor Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Unter anderem an dieses Erlebnis dachte wohl so mancher Schriesheimer zurück, als am Dienstag der Tod von Klaus Kinkel bekannt wurde. Auch er wiederum hatte eine enge Beziehung zur Bergstraße: „Meine Tochter hat ja in Heidelberg studiert“, erzählte er dem „MM“ in einem Interview am Rande des damaligen Mathaisemarkt-Auftritts.

Beate Weber erriet seinen Namen

Dessen Vorgeschichte reicht an den Jahresbeginn 1999 zurück. Damals war Kinkel beim „Kleinen Dreikönigstreffen“ der FDP in Hirschberg. Schriesheims Bürgermeister Peter Riehl und Horst Schütze, Organisator des „Schriesheimer Abends“, überlegten sich: Das wäre doch ein toller Überraschungsgast für ihren Heimatabend. Zuvor waren dies Joschka Fischer, Johannes Heesters, Fritz Walter oder Uwe Seeler.

Der Überraschungsgast musste von einem ebenfalls prominenten Duo erraten werden, diesmal der CDU-Europaabgeordneten Diemut Theato und Heidelbergs Oberbürgermeisterin Beate Weber; sie war es auch, die ihn schließlich „knackte“.

Obgleich Außenminister und Vizekanzler der fünf Monate zuvor abgewählten Regierung Kohl, wurde er hier mit Jubel empfangen. Seinen Auftritt nutzte Kinkel, um für seine Initiative gegen sexuellen Missbrauch von Kindern zu werben. Für diesen Zweck überreichte ihm Volksbank-Chef Friedrich Ewald eine Spende in Höhe von 3000 Mark.

Liebhaber trockenen Rieslings

Die positive Resonanz motivierte Peter Riehl, ihn kurz danach noch einmal zu verpflichten: als Ehrenpaten des Madonnenbergs. Denn als Außenminister hatte Kinkel die deutschen Botschaften und Konsulate im Ausland angewiesen, bei ihren Empfängen nur deutsche Weine auszuschenken; manche im Auswärtigen Amt nannten dies spöttisch „Trinken für Deutschland“.

Vom Madonnenberg-Verein erhielt er fortan jedes Jahr eine Flasche kostenlos, was ihn als Schwaben natürlich freute: „Mer glaubt net, was in ein nei goht, wenns nix koscht.“ Er selbst liebte trockenen Riesling.

Auch danach kam er immer wieder, so etwa 2005 zum letzten Madonnenbergkonvent von Peter Riehl und zu Parteiveranstaltungen, etwa zum 20. Jubiläum der FDP Schriesheim 2003 im „Ludwigstal“, bei dem er Altstadtrat Bernhard Scharf ehrte, und zum Landtagswahlkampf von Birgit Arnold im Januar 2006. -tin