Schriesheim

Schriesheim Der verschobene Festzug leidet unter Regen und Wind / Trotzdem insgesamt 94 000 Besucher

Auch das schlechte Wetter bleibt dem Mathaisemarkt treu

Der 440. Schriesheimer Mathaisemarkt endet so, wie er begonnen hat: schwierig – um es gelinde auszudrücken. Der eine Woche zuvor abgesagte Festzug kann gestern zwar nachgeholt werden. Doch dieser traditionelle Höhepunkt des größten Festes der Region wird von Regen, heftigem Wind, ja generell von ungemütlichem Wetter heimgesucht.

Das hinterlässt gleichwohl eher geringe Spuren in der Statistik: Feuerwehr-Kommandant Oliver Scherer nennt gestern Abend 24 000 Besucher für den Festzug. Zusammen mit 20 000 vom Samstag, 11 000 vom Freitag und 39 000 von der ersten Fest-Hälfte sind es 2019 also 94 000. 2018 waren es insgesamt 82 000, im Jahr 2017 noch stolze 124 000.

Schriesheim, gestern 12 Uhr. Wer von Ladenburg aus in die Weinstadt einfährt, der erkennt die Lage bereits auf den ersten Blick. Wo sich sonst die parkenden Autos in Richtung Römerstadt aneinanderreihen, wo oft keine Lücke mehr bleibt, da herrscht diesmal noch reichlich Platz. Und dieses Bild setzt sich auf dem Festplatz fort. Wo sich normalerweise an den Imbissständen lange Schlangen bilden, da kann der Appetit des Besuchers diesmal schnell gestillt werden. Der Bierstand der Welde im Gewerbezelt ist fast leer, ausgerechnet der Stand des Pfälzer Weinhändlers Pallhuber dagegen gut besucht.

Festwirtin zufrieden

Am hiesigen Gemeinschaftsstand der Schriesheimer Handwerker steht Robert Hasenkopf ein wenig verlassen. Dennoch ist der selbstständige Gärtnermeister nicht unzufrieden: „Immerhin habe ich durch diese Aktion einen Praktikanten gewonnen“, berichtet er. Das sei ein guter Anfang: „Wenn beim nächsten Mal noch ein Transparent hängt, das zeigt, worum es hier geht, dann wird es noch besser“, witzelt er vieldeutig.

Doch jede Situation hat Verlierer und Gewinner. Zu letzteren gehört in diesem Jahr eben das Festzelt, das naturgemäß von schlechtem Wetter profitiert. „Der Freitagabend und vor allem der Samstagabend waren super“, freut sich Festwirtin Ilona Böhm sichtlich: „Richtig solides Publikum“, bekennt sie vollauf zufrieden. Und auch an jenem Mittag sind die Bänke bis hinten voll besetzt.

Das ist kein Wunder, denn zu diesem Zeitpunkt steigt das Fanfarenzugtreffen. Die Musiker aus Nah und Fern mit bunten Uniformen und schmissigen Melodien locken schon bei gutem Wetter Publikum an – dann erst recht bei diesem Wetter.

Auch der Zehntkeller ist gut gefüllt, der Platz davor jedoch leer: Weder die Traktorenschau noch das Schlepper-Geschicklichkeitsfahren, die beide ihren Platz hier haben, finden in diesem Jahr statt. Viele Besucher vor allem von auswärts sind enttäuscht. „Jetzt bin ich eigens aus Mannheim gekommen“, klagt ein älterer Mann. Für die Veranstalter bringt dies jedoch auch eine wichtige Erkenntnis: Selbst diese eher unspektakulären Programmpunkte haben ihr treues Publikum, das nur deshalb nach Schriesheim kommt.

Gegen 13.30 Uhr: Es beginnt zu regnen, was besonders eklig wirkt angesichts des Windes, der durch die Straßen pfeift. Die Menschen, wegen der ursprünglich positiven Wetterprognose nicht alle mit Regenschirmen ausgestattet, suchen Schutz in Hauseinfahrten oder unter den Zelten des Krammarktes. Da bekommt sogar der Mann am Stand mit den Pfannen plötzlich einen Zulauf, den er sonst wohl nur selten erlebt.

Angesichts des Windes orakelt mancher Besucher, ob der Zug nicht erneut abgesagt wird. „Heute ist das Wetter schlimmer als am vergangenen Sonntag“, seufzt Zug-Moderator Karl-Heinz Schulz an seinem Standort vor der Volksbank-Filiale.

Doch siehe da: Vom legendären Wetter-Glück der Schriesemer an Mathaisemarkt ist doch was zu spüren: Bald nach Start des Festzuges hört es zumindest auf zu regnen. Die Regenschirme werden zusammengeklappt, und der Blick des Betrachters fällt auf Straßenränder, die angesichts dieses Wetters erstaunlich voll sind. So wird es doch noch ein leidlich versöhnlicher Abschluss.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/schriesheim

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