Schriesheim

Neckarhausen Konzert zum 200. Geburtstag von Clara Schumann

Aus dem Leben einer berühmten Künstlerin

Archivartikel

Aus Anlass des 200. Geburtstags der Pianistin und Komponistin Clara Schumann (1819-1896) hatte die Volkshochschule zu einem Konzert ins Schloss von Neckarhausen eingeladen. Doch die meisten Stühle im Festsaal blieben leer. „Dieses so geringe Interesse, das haben weder die große Musikerin noch diese beiden exzellenten Künstler verdient“, äußerte sich darüber eine Konzertbesucherin fassungslos.

Enttäuscht von der schlechten Resonanz zeigte ich auch der Leiter der Volkshochschule (VHS), Hermann Ungerer. Er berichtete, dass die VHS Edingen-Neckarhausen bis zu acht Mal im Jahr im Schloss ein klassisches Konzert mit nationalen und internationalen Künstlern veranstaltet. „Wir hatten schon Ausnahmekünstler hier“, sagte er und dachte dabei etwa an die Konzerte „Klassik mit Tango“ oder „Bach original“. Verantwortlicher dieser Kontakte ist Wolfgang Grosch, Geiger und Mitglied des kurpfälzischen Kammerorchesters. Er war es auch, der den Liederabend mit Werken von Clara Schumann, ihrem Mann Robert Schumann sowie des befreundeten Geschwisterpaars Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy initiiert hatte.

Grosch war es dazu gelungen, das Duo Daniela Grundmann (Sopran) und Andreas Korn (Klavier) zu engagieren. Beide Musiker sind auf internationalen Bühnen zuhause. Die Sopranistin Daniela Grundmann gründete die Musikbühne Mannheim und arbeitete unter anderem schon zusammen mit dem bekannten österreichischen Schauspieler, Kabarettisten, Regisseur und Intendanten Otto Schenk. Andreas Korn (Klavier) arbeitete an den Opernhäuser in Chemnitz und Leipzig und musizierte zusammen mit dem berühmten Dirigenten Yehudi Menuhin. Zum 200. Geburtstag von Clara Schumann hatten die beiden Künstler ein Programm erarbeitet, das sie „Widmung“ nannten. Es war ein Abend, in dem Lieder und Kompositionen von Clara und Robert Schumann, aber auch Briefe und Auszüge aus ihrem Tagebuch im Vordergrund standen.

Zwischen Familie und Karriere

Clara Schumanns Leben war geprägt von dem verzweifelten Kampf um die Emanzipation vom Elternhaus, ihrer Liebe zu Robert Schumann und den Mühen, Familie und internationale Karriere nach dem Tod ihres Mannes unter einen Hut zu bringen. Und diesen Konflikt verarbeitete Clara Schumann in ihrer Musik. „Der Mond kommt still gegangen“ oder auch „Die stille Lotusblume“ klangen traurig, fast schon melancholisch. Wer weiß heute noch, dass das bekannte Volkslied „Loreley“ in seiner Urfassung von Clara Schumann stammt? Das Ehepaar Schumann verband eine enge Freundschaft zu den Geschwistern Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy. Von Hensel sang die Sopranistin das „Wanderlied“ und „Warum sind denn die Rosen o blass“. In diesem Lied klang schon so etwas wie Todesahnung mit – Fanny Hensel starb im Alter von 42 Jahren.

Das Konzert im Schloss war nicht nur ein musikalischer Genuss, die Zuhörer erfuhren auch viel aus dem Leben der Komponisten. Etwa, dass die beiden Frauen den zwei männlichen Musikern durchaus ebenbürtig waren, zu Lebzeiten jedoch viel stärker als diese um Anerkennung zu kämpfen hatten. greg