Schriesheim

Schriesheim Konzert in der Evangelischen Stadtkirche mit dem Organisten Stefan Kießling aus Leipzig / Werke von Bach und Elgar

Ausgeschöpft, was eine Orgel zu bieten hat

Der Leipziger Organist Stefan Kießling ist ein Meister seines Instrumentes. Und das stellt er bei seinem Orgelkonzert in der Evangelischen Stadtkirche in Schriesheim unter Beweis. Seine Hände bringen die „Königin der Instrumente“ zum Tanzen.

Kießling spielt Werke des Altmeisters Johann Sebastian Bach, aber auch die Sonaten von Edward Elgar voller mitreißender Brillanz, indem er die ganze klangfarbliche Bandbreite der Orgel ausreizt. Unter seinen magischen Händen tun sich wahre Klangwelten auf, die von temperamentvoll bis hin zu graziösen Tönen reichen. Kießling schöpft alles aus, was die Orgel an Klangvielfalt bietet. Was die Konzertbesucher an diesem Abend erleben dürfen, ist ein Musikerlebnis der Extraklasse. Da braucht man nur die Augen schließen, zuhören, und darf genießen.

Alt Auftakt des Konzertes wählt Kießling den österlichen Choral von Johann Sebastian Bach „Christ ist erstanden“ – ein Werk, das zu den ältesten deutschsprachigen geistlichen Liedern gehört und bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, wie der Solist in seiner Einführung erläutert. Die Bearbeitung fällt als dreisätziger Kleinstzyklus aus dem Rahmen, besteht aus drei metrisch und melodisch unterschiedlichen Strophen.

Es folgt die Triosonate C-Dur mit Allegro, Largo und Allegro, ebenfalls von Bach, eine Herausforderung für jeden Organisten; denn zum einen muss er die unterschiedlichsten Klangfarben auf jedem Manual wie auch auf dem Pedal herausarbeiten, dies jedoch mit einer schier unvorstellbaren Schnelligkeit. Mit seinen verspielten Klängen etwas Ruhe und Bedächtigkeit bringt danach erst das Largo, bis es wieder donnernd und gewaltig ins Allegro übergeht.

Mal ruhig, mal donnernd

Ganz anders das Präludium und die Fuge D-Dur, die dem Organisten eine gewaltige Pedalarbeit abverlangt. Das Stück ist voll von wirbelnden Phrasen, die nur ein hervorragender Techniker meistern kann. Es ist ein Werk voller Klangmächtigkeit, das in einer „Höllenfahrt“ endet.

Man hört so etwas wie einen Dialog zwischen einzelnen Registern, mal versöhnlich, dann fordernd, bis das gewaltige Pedalspiel, das wie Gewitter hervorbricht, ein Ende setzt.

Mit dem Präludium in D-Dur verlässt Kießling den Altmeister Bach und wendet sich mit der Sonate in G-Dur dem „moderneren“ englischen Musiker Edward Elgar (1857-1934) zu, der zu den bedeutendsten Komponisten zwischen Purcell und Britten zählt. In der Viktorianischen Zeit gilt er noch als Außenseiter. Seinen Durchbruch als Komponist schafft er mit einer halbstündigen Orgelsonate, die er bei einem Besuch amerikanischer Organisten in der Kathedrale von Worcester spielt. Er schafft ein gewaltiges viersätziges Werk, das sowohl den Organisten wie auch das Instrument an die Grenzen bringt und auch Kießling Einiges abverlangt. Dieser bedauert, dass diese Sonate wegen ihrer horrenden Schwierigkeiten ein Schattendasein führt: „Denn das verdient sie nicht.“

Das staunende Publikum darf denn auch erleben, wie der Organist ein Feuerwerk an unglaublichen Harmonien und Klangfarben hervorzaubert. Er beeindruckt nicht nur mit diesem Stück, sondern während des gesamten Konzertes durch ein faszinierend facettenreich ausgebreitetes Orgelspiel, bei dem die Finger wie auch die Füße in atemberaubender Geschwindigkeit über die Tasten bzw. die Pedale fliegen.

Das begeisterte Publikum erklatscht sich eine Zugabe, die der Organist auch gewährt. Der Bitte um eine Spende am Ende des Konzerts kommt es daher gerne nach.