Schriesheim

Schriesheim Kampf um die neue Anlage dauert zwölf Jahre

Barrierefreie Ampel an Bundesstraße 3 in Betrieb

Die Mühlen der Bürokratie mahlen bekanntlich langsam. Doch bis der unfallträchtige Fußgängerübergang an der Bundesstraße 3/Ecke Talstraße durch eine barrierefreie Ampelanlage entschärft wurde, vergingen sogar sage und schreibe zwölf Jahre. An diesem Beispiel kann gut vor Augen geführt werden, welch langen und schwierigen Weg eine Idee bis zur Umsetzung zurücklegen muss.

Doch dann ging alles ganz schnell: In einer Nacht-und Nebel-Aktion wurde die alte Ampel gegen die neue ausgetauscht. „Wir haben das erst später und mehr zufällig mitbekommen“, berichtet die neue Bürgerbeauftragte Barbara Schenk-Zitsch. Bereits in ihrer Amtszeit als Stadträtin kämpfte sie für eine barrierefreie Stadt. Ein Dorn im Auge war ihr dabei gerade diese Ampel an der B3/Ecke Talstraße mit ihren zu kurzen Grünphasen und der Gefahr, dass nahe am Bordstein die Straßenbahn vorbeirauscht.

Katja Jag ergreift die Initiative

Angesprochen wurde sie seinerzeit von Katja Jag. Die seit ihrem zweiten Lebensjahr blinde Schriesheimerin beklagte, dass die Geräusche der vorbeirasenden Autos derart laut seien, dass man nicht hören könne, wann man die Straße ohne Gefahr überqueren kann. „Wir haben dann am 29. Juli 2007 einen entsprechenden Antrag in den Gemeinderat eingebracht“, berichtete Schenk-Zitsch beim Pressegespräch mit der Inklusionsbeauftragten Karin Reichel und Ordnungsamtschef Achim Weitz.

Dass diese Überquerung nicht problemlos ist, das bestätigte dann auch die Verkehrstagesfahrt. Doch erst nach weiteren zehn Monaten erhielt dieses Projekt auch offiziell „Priorität“. „Wir haben gewartet, doch nichts ist geschehen“, berichtete Schenk-Zitsch. Auf Nachfragen gab es keine Informationen. „Es herrschte einfach Stillstand“. Später hieß es dann, man werde nach Beendigung der Baumaßnahmen am OEG-Bahnhof daran gehen, doch wieder passierte nichts. Erst nachdem Landrat Stefan Dallinger von Schenk-Zitsch angeschrieben wurde, kam Bewegung in die Sache, die neue Anlage wurde installiert.

Signal gibt Laut

Ein ständiges Signal gibt den blinden und sehbehinderten Menschen Auskunft über den fließenden Verkehrs, ein weiteres und wesentlich lauteres kündigt den gefahrlosen Übergang über die Bundesstraße an. Auf dem Kästchen ist noch ein Pfeil zu erfühlen, der Information zum Verlauf der Straße gibt.

Katja Jag, die als Testperson als Erste diese neue Ampelanlage überprüfte, monierte, dass das Signal nicht laut genug sei. Nach zweimaliger Nachjustierung funktioniert die neue Anlage jetzt einwandfrei.

Barbara Schenk-Zitsch freut besonders, dass für Rollstuhlfahrer in sichtbarer Höhe die Rot- und Grün- Phasen angezeigt werden. Lob kommt ebenfalls vom „Sehwerk“, das in Schriesheim eine Anlaufstelle für Schulungen für erblindete Menschen anbietet. Dank geht an Jennifer Uhlig, die Schenk-Zitschs Ansprechpartnerin im Landratsamt war. Und Bürgermeister Hansjörg Höfer freut neben der nun errungenen Barrierefreiheit, dass auf die Stadt keine Kosten zugekommen sind. Diese trug der Kreis. greg