Schriesheim

Schriesheim Winzer und Landwirte stellen grüne Kreuze entlang der Straßen auf / Protest gegen Bienen-Volksbegehren, Bürokratie und Höfesterben

Bauern fürchten Ende kleiner Betriebe

„Irreführend“ und „manipulativ“ nennen die Winzer und Landwirte das Volksbegehren mit dem schlagkräftigen Slogan „Rettet die Bienen“, dem am 24. September eine Unterschriftenaktion voranging. „Jeder will die Bienen schützen, doch diese ganze Aktion hat mit den Bienen nicht das Geringste zu tun“, erklärt Freie-Wähler-Stadträtin Jutta Becker und betont: „Hier geht es um etwas ganz anderes.“ Hier gehe es um massive Einschnitte in die Existenz der Landwirte, sagt die Diplomingenieurin für Gartenbau.

Die Schriesheimer Winzer und Landwirte haben ebenso wie andere im Bundesgebiet ein grünes Kreuz am Rande eines Weinberges im Leutershäuser Weg aufgestellt, eines von insgesamt fünf weithin sichtbaren Symbolen, die bereits auf der Schriesheimer Gemarkung stehen. Es soll dafür stehen, dass immer mehr Bürokratie und Vorschriften das Sterben kleinerer und mittelständischer Betriebe begünstigen.

„Vernünftige Lösungen gesucht“

Für die Landwirte unverständlich sei auch, dass ausgerechnet zwei Imker diese Aktion ins Rollen gebracht haben. „Die Imker brauchen uns Obstbauern doch“, kommt eine kritische Stimme aus der Reihe der Obstbauern, die sich an diesem Nachmittag unter den grünen Kreuz versammelt haben, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Worum es bei diesem Volksbegehren im Einzelnen geht, darüber referiert Karl-Otto Jäck vom Arbeitskreis Erwerbsobstbauern Heidelberg-Bergstraße. Im Vordergrund stehe einmal der Rückgang der Artenvielfalt, doch dies habe weniger mit der Landwirtschaft und dem Pflanzenschutz zu tun, als damit, dass der Mensch mit immer mehr Ausweisung von Baugebieten den Insekten den Lebensraum entziehe.

„Kommt ein Verbot von konventionellem Pflanzenschutz, ist keine Produktion möglich, und das bedeutet das Aus für viele Betriebe“, malt er ein düsteres Szenario. Er setzt es fort mit einem Blick in die Supermärkte. Deren Regale seien und blieben nichtsdestotrotz gefüllt, denn der Einzelhandel setze dann einfach darauf, Produkte aus dem Ausland zu importieren.

Grundsätzlich habe sich die Effektivität von Pflanzenschutzmitteln im Verlauf der Jahre geändert. Wurde in der Vergangenheit für alles nur ein einziger Wirkstoff angewandt, so könne man heute gezielt gegen jede einzelne Art von Schädlingen vorgehen, so der Experte: „Überhaupt haben wir hier die strengsten Vorschriften, liegen sogar noch über der EU-Norm, was den Pflanzenschutz angeht.“

Zurückgewiesen wird auch der Vorwurf, dass Obstbauern mit ihren Spritzaktionen die Insekten töten. Er verweist darauf, dass generell, während der Blütenzeit niemals gespritzt werde. „Was wir brauchen, sind vernünftige Lösungen, einmal für den Artenschutz und zum anderen für eine weitere Existenz unserer Landwirte“, lautet deshalb seine Forderung. Deutschland sei eine Kultur- und keine Naturlandschaft mehr, betont der Referent.

Daher müsse die Forderung lauten, die Kulturlandschaft zu erhalten, „aber bitte nicht auf dem Rücken der Landwirte.“ Und diese Botschaft steht auf den großen grünen Wegkreuzen und soll gerade die Stadtbevölkerung, aber auch die Verbraucher vor Ort zum Umdenken bewegen.