Schriesheim

Schriesheim Vereine müssen strenge Auflagen erfüllen / Besuch bei der Prüfung der Fahrzeuge im Bauhof der Stadt

Beim Umzug gilt erstmals Gutsel-Verbot

In Schriesheims Vereinen rumort es: Kostspielige Sicherheitsauflagen und ausführliche Vorschriften machen den Organisatoren von Festen zu schaffen, zuletzt wurde die Altenbacher Prunksitzung wegen zu hoher Kosten abgesagt. Jetzt sorgte eine Fahrzeug-Kontrolle für Unmut – der „MM“ hörte sich vor Ort um.

Isabel Herschel vom Ordnungsamt leitet am Samstagvormittag einen kurzfristig anberaumten „Termin zur Überprüfung der Rollen“, zu dem die Verwaltung sechs Tage zuvor schriftlich eingeladen hat. Er ist eine Premiere: Die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge, die am 10. März beim Mathaisemarkt-Umzug auf die Straße gehen, soll geprüft werden.

Angebot der Stadt an die Vereine

Schon im letzten Jahr, sagt Herschel, habe es Gespräche mit der Verkehrspolizei gegeben, die der Stadt die Kontrollen empfahl. „Dann haben wir den Vereinen dieses Angebot gemacht“, erklärt sie und betont, dass sie freiwillig seien.

Zwei Kontrolleure der Dekra und zwei Ordnungshüter inspizieren die Fahrzeuge, die von Helfern abgeholt und nach einem genau durchgetakteten Zeitplan auf das Bauhof-Gelände gebracht werden. Es ist zehn Uhr, der Trupp hat bereits acht von 18 Gespannen unter die Lupe genommen; gerade fährt ein Bulldog auf den Hof, der zwei „Rollen“ zieht.

Ein TÜV-Siegel brauchen die auf 25 Stundenkilometer ausgelegten Anhänger nicht, erklärt Nicole Edinger von der Dekra. Mängel findet sie hin und wieder trotzdem: „Wir schauen, ob die Ladebordwände stabil sind und Aufbauten tragen. In einem Fall haben wir Schnitte in einem Reifen gefunden.“

Noch sind die hölzernen Pritschen nicht überbaut, doch steht am Umzugstag eine Endkontrolle an, bei der nach hervor stehenden Nägeln geschaut und untersucht wird, ob Seile zwischen Traktor und „Rolle“ gespannt sind, die verhindern, dass Passanten darüber klettern. Für Edinger sind solche Inspektionen Alltag: „Das ist gang und gäbe, wir kennen das auch aus Mannheim.“

Höhepunkt in Gefahr?

Ein im Grunde unspektakulärer Termin, doch fällt er in eine aufgeheizte Stimmung. Klaus Urban erinnert sich an die Bekanntgabe der Kontrollen gegenüber den Vereinsvertretern: „Da haben fünf, sechs Leute gemurrt und gesagt, sie wollen sich zurückziehen.“

Der Vorsitzende des Gesangvereins Liederkranz macht die vielen Sicherheitsvorschriften für die Probleme verantwortlich: „Das ist ein Ärgernis gegenüber den Vereinen, die ja der Garant für den Zug sind.“ Doch würden sich tatsächlich einige zurückziehen, fürchtet er, dass das Schule machen könnte: „Dann wäre ruckzuck der ganze Umzug kaputt, denn nur mit Fußgruppen kann man das nicht machen.“

Eine gute Woche später gab es ein „inoffizielles“ Treffen ohne die Verwaltung, bei dem das Für und Wider der Inspektionen erörtert wurde. Die generelle Skepsis wird in einer Mail deutlich, die dem „MM“ vorliegt: Ein Halter weist darauf hin, dass TÜV-befreite „Rollen“ über eine Betriebserlaubnis der Hersteller verfügen, regelmäßig von den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften kontrolliert würden und verkehrstüchtig seien.

Herschel bittet aber um Verständnis: „Wir sind nicht die Bösen, wir wollen doch nur einen sicheren Festzug haben.“ Außerdem, sagt sie, würden die Kosten der Überprüfung von der Stadt getragen – eigentlich ein „Gutsel“ für die Vereine. Wohl aber eins, das nicht jedem schmeckt.

Apropos „Gutsel“: Süßigkeiten dürfen nicht mehr, wie jahrzehntelang üblich, vom Wagen geworfen werden. Die Vorschrift ist Teil eines umfangreichen Regelwerks, über das viele, wie Peter Kraft, den Kopf schütteln. Der Vorsitzende des MGV Lyra sagt: „Wir sollen jetzt Namen und Adressen von jedem vorlegen, der neben den Wagen her läuft.“ Die „Wagenengel“ sollen gelbe Warnwesten tragen, mindestens 18 sein, mindestens zu viert die Wagen begleiten und dürfen keine Getränke ausschenken. Michael Amler vom „Festwagen-Komitee“ der Lyra kritisiert: „Die Vereine haben das Gefühl, dass das Ehrenamt nicht mehr angemessen berücksichtigt wird.“

Eine Stimmung, die auch im Gemeinderat angekommen ist. Während am Samstag die Gespanne kontrolliert wurden, tagte das Gremium nicht-öffentlich. Thema war eigentlich der Haushalt, doch sei, wie später zu hören war, „aus den Fraktionen“ ein Appell an Bürgermeister Höfer ergangen, doch künftig frühzeitig auf die Vereine zuzugehen und Dinge gemeinsam zu besprechen.