Schriesheim

Schriesheim Serenadenkonzert des Kammerchors unter der Linde steht unter dem Motto „Ein Sommertag“

Bekannte Verse zur Musik vorgetragen

Archivartikel

Der Kammerchor Schriesheim hatte sein Serenadenkonzert unter das Motto „Ein Sommertag“ gestellt. Und an diesem lauschigen Sommerabend war „Nomen est Omen“ und das im sprichwörtlichen Sinn. Chor und instrumentale Solisten geleiteten ihr Publikum durch einen ganzen Sommertag, beginnend am frühen Morgen, nach einer Nacht, „die nicht spurlos vorübergegangen ist“, und den ersten unsicheren Sonnenstrahlen „Wach auf meins Herzens Schöne“, einer Liebeshymne an den neuen Tag von Johannes Brahms, bis hin in den Abend hinein.

„Tiefer sinket schon die Sonne“, rezitierte Dorothee Grieshammer das Gedicht von Friedrich Schlegel. Wie in den Jahren zuvor hatte der Leiter des Kammerchors Markus Karch Teile aus dem letztjährigen Programm mit in dieses Konzert eingebaut. „Man darf sich auf die Lieblingsstücke aus dem Vorjahr freuen“, begrüßte er das Publikum, das so zahlreich gekommen war, dass die aufgestellten Stühle bei Weitem nicht ausreichten. So blieb vielen Musikliebhabern nichts anderes übrig, als die Musik im Stehen zu genießen.

Während des gesamten Konzertes herrschte eine tiefe Stille, es war nur das leise Rauschen des Windes in der ehrwürdigen alten Linde zu hören. Karch hatte für das Serenadenkonzert Werke aus der Renaissance, der englischen Literatur bis hin zu den Comedian Harmonist ausgewählt. Und welches Lied hätte an diesem Sommertag besser gepasst als „Wochenend und Sonnenschein“. Die einzelnen Stücke, die vom Chor vorgetragen wurden, wurden instrumental umrahmt und Dorothee Grieshammer trug dazu passende Verse bekannter Autoren vor.

Was jedoch einigen Zuhörern weniger gefiel war, dass mehr instrumentale Stücke im Programm waren und so der Chor mehr in die zweite Reihe gedrängt wurde. „Ich hätte mir mehr vom Chor gewünscht“, bedauerte etwas enttäuscht eine Zuhörerin und eine Gruppe jüngerer Zuhörer hätte sich mehr poppige Lieder gewünscht. „Es waren zu viele traurige Lieder“, kommentierten sie, aber sonst hätten sie keine Kritik gehabt.

„Sing we and chant it“, startete der Chor den frühen Tag und der Dichter Mascha Keléko stellte die bescheidene Anfrage „Steht mein Bild noch auf deinem Tisch“. Beschwingt ging es mit „Wochenend und Sonnenschein“ in die Pause und nach einem kleinen Snack an der Bar und einem Glas Wein ging es mit der finnischen Polka „Kaivun Polkka“ in die zweite Runde.

„Abendlied“ als Schlussakkord

Fast mystisch beschwor in dem Gedicht von Sarah Kirsch ein Mädchen, die Sonne möge auf ihren Geliebten scheinen und seine Gedanken mögen sich nur auf sie lenken. Mit dem Text von Wilhelm Schmid über den Albtraum „Kofferpacken“, einem quälenden Prozess, der bis ins Philosophische reicht „Was ist wichtig, was ist wesentlich“, sprach Grieshammer den Zuhörern so richtig aus der Seele. Der Chor besang die Grille, die nur dann von der Liebe singt, wenn die Hitze am größten ist. Mit dem Lied „Vinum schenkt ein“ bescheinigte der Chor das, was man schon sowieso weiß, nämlich immer einen Grund zum Trinken zu haben, „egal ob die Sonne scheint, der Regen fällt oder der Schnee, zum Trinken ist immer ein Grund“.

Mit „Abendruh“ von Mozart und dem „Abendlied“ von Johannes Brahms setzten die Musiker den Schlussakkord. Erfüllt und bewegt verließen die Zuhörer das sommerliche Serenadenkonzert unter der Linde und dankten den Musikern mit großzügigen Spenden in die Spendenbox. Neben den Chorsängern wirkten mit: Maria Karch (Violine), Heike Hollborn (Klarinette), Jutta Neuhaus (Cello), Christian Dell Andrea (Kontrabass), Markus Karch (Klavier) und Gesamtleitung Dorothee Grieshammer (Rezitation).