Schriesheim

Schriesheim Die katholische Stadtkirche Mariä Himmelfahrt erlebt seit ihrer Fertigstellung 1711 zwei große Veränderungen

„Bildersturm-Methoden noch um 1960“

In Schriesheim fällt der Tag des offenen Denkmals zusammen mit dem Straßenfest; das dabei präsentierte Objekt, die katholische Stadtkirche, liegt inmitten des Festtrubels. Dem Denkmalstag schadet das nicht. Im Gegenteil: „Ich hätte nicht gedacht, dass das Interesse so groß ist“, freut sich Siegfried Wachter über gut 50 Teilnehmer bei der ersten seiner beiden Führungen aus diesem Anlass.

Man hätte kaum einen Versierteren finden können als ihn, der gemeinsam mit seinem Schwager Hans Becher das historische Archiv der Kirche betreut und zuweilen mit herausragenden Ausstellungen wie jener über den legendären Pfarrer Eberhard an die Öffentlichkeit tritt.

„Umbrüche in Kunst und Architektur“ – für dieses Thema eignet sich diese Kirche in idealer Weise. Sie selbst hat einige derartiger Umbrüche hinter sich. Von 1708 bis 1711 im Stile des Barock errichtet, erlebt sie im 20. Jahrhundert zwei tiefgreifende Veränderungen.

Die erste erfolgt 1959, schon äußerlich erkennbar durch den Anbau gegen Norden. Eine Wand aus – damals modernen – Glasbausteinen entsteht. Die Kirchenachse wird gedreht, der Hauptaltar, bis dahin wie einst üblich im Osten der Kirche, kommt in die erweiterte Mitte am alten Längsschiff. Im Inneren entsteht damit also eher eine Nord-Süd-Ausrichtung, während im äußeren Erscheinungsbild auf Grund der Lage von Turm, Dach und Chor die traditionelle Ost-Ausrichtung bleibt.

Neue Kunst zieht in die Kirche ein. Der Hauptaltar sowie die beiden Maria und Josef gewidmeten Seitenältere, die in den noch heute etwas erkennbaren Nischen standen, werden „wegen Holzwurmbefall“ einfach vor der Kirche verbrannt. „Unbegreiflich, welche Bildersturmmethoden es noch um 1960 gab“, staunt Wachter. Noch nicht einmal ein aktuelles Foto vom Ensemble hinterließen die damals Verantwortlichen ihren Nachfolgern; die einzige Aufnahme, die Wachter zeigen kann, stammt aus den 1930er Jahren.

Es vergehen knapp vier Jahrzehnte, bis auf Initiative von Pfarrer Theodor Seeger 1996 ein erneuter Umbau erfolgt. Der Altar wird nun gemäß den Vorgaben des Konzils von drei Seiten einsehbar, der Taufbrunnen neu gebaut. Doch zum Meisterstück wird die neue Hauptfassade: Die Glasbausteine werden entfernt, statt ihrer gestaltet die Künstlerin Rosemarie Vollmer fünf Fenster von 80 Quadratmetern Größe, die in den Komplementärfarben blau und gelb leuchten – an diesem Tag bis hinaus ins Festgeschehen.