Schriesheim

Schriesheim Flüchtlingshilfe bleibt weiter am Ball / Wohnraum Thema für denGemeinderat

„Brauchen Geld für Sprachkurse“

Archivartikel

Sie sind zur Ruhe gekommen, aber sie ruhen sich nicht aus: Die Flüchtlingshilfe in Schriesheim hat noch immer einen lebendigen Unterstützerkreis aus Ehrenamtlichen, lokalen Vereinen, Kirchen und Unternehmen. „Am Anfang musste Vieles schnell gehen und wir alle hatten ja keine Ahnung. Das hat sich in den Jahren geändert,“ sagt Fadime Tuncer. „Aber man braucht uns noch.“

Denn die Arbeit fange eigentlich jetzt erst an: „In Zukunft wird es um die Integration der neuen Schriesheimer gehen in Kindergarten und Schule, in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft.“ Auch wenn es inzwischen zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen im Rathaus gibt, die sich um die strategischen Belange der Flüchtlinge kümmern. „Das entlastet uns und wir sind dankbar dafür“, so Fadime Tuncer, unisono Stadträtin der Grünen. Die 49-Jährige gründete mit Gleichgesinnten aus der Initiative eines Runden Tisches heraus im Jahr 2015 die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Zu Beginn waren rund 70 Aktive engagiert. Zum festen Stamm zählten heute immer noch bis zu 40 Helfer. „Mal gibt es viel zu tun, mal weniger.“ Inzwischen treffe man sich ab und an zu einem losen Gedankenaustausch, ansonsten „geht das zwischenmenschlich mit Routine seinen eigenen Gang. Aber so war das ja auch geplant.“

Geblieben sind etwa Sprachkurse für Erwachsene und Hausaufgabenhilfen für Kinder und unter dem Motto „Reinschnuppern in die deutsche Gesellschaft“ zusammengefasst verschiedenste Projekte: Zum Beispiel Spendenaktionen, Kinderfeste und Kochtreffs oder in Zusammenarbeit mit dem DRK die Eröffnung der „Mobilen Tafel“. Über allen Hilfsangeboten steht das „Patenmodell“. Heißt: Schriesheimer Bürger stehen mit Rat und Tat den Flüchtlingen im Alltag zur Seite. Da geht es um die Hilfe bei der Suche nach Arbeitsstellen oder um einen Fahrdienst für kleine Fußballfreunde zu einem Turnier auf dem Sportplatz. Längst haben sich Tandems gebildet, wenngleich man auch gerne weitere Helfer im Kreis aufnehmen würde. Als „Hilfe zur Selbsthilfe“ wollten die Flüchtlingshelfer ihre Arbeit verstanden wissen und als ein Zeichen für Solidarität in einer offenen Gesellschaft.

6000 Euro als Grundkapital

Die evangelische Kirchengemeinde hat für Spenden ein Unterkonto eingerichtet, das von Fadime Tuncer verwaltet wird. 6000 Euro waren das Grundkapital aus einem Sponsorenlauf der Schüler des Kurpfalz-Gymnasiums im Jahr 2015. Dazu kamen und kommen viele Einzelspenden von Bürgern und Unternehmen. „Wir brauchen das Geld für Sprachkurse und für die Umsetzung einzelner Projekte.“ Außerdem vergibt die Flüchtlingshilfe kleine, zinslose Darlehen, etwa für notwendige Vorabzahlungen für Dolmetscher oder Dienstleistungen für Behörden. „Das System mit den Rückzahlungen hat immer geklappt.“

Schwierig sei die Anschlussunterbringung mit Wohnraum – eine Aufgabe der Kommunen. Derzeit leben rund 210 geflüchtete Menschen in der Weinstadt. Bislang im Dossenheimer Weg und in der Carl-Benz-Straße in Gemeinschaftsunterkünften, im Baugebiet Fensenbäumen sind kleinere Wohneinheiten angemietet. Einige wenige Privatwohnungen ergänzen das Unterbringungsangebot.

Weniger glücklich sei man bei der Flüchtlingshilfe über Planungen der Stadt, für die Anschlussunterbringung entweder am Wiesenweg die „Hollandhäuser“ für Obdachlose mit vier weiteren Containern zu erweitern oder an einem neuen Standort im Ladenburger Fußweg in Holzbauweise neue Häuser zu bauen. Darüber muss der Gemeinderat entscheiden. „Grundsätzlich wäre es der beste Weg für die Integration, wenn die Menschen auf alle Stadtteile verteilt werden“, sagt dazu Fadime Tuncer. bst