Schriesheim

Schriesheim „Strahlenburger Kirchenspatzen“ feiern mit einem Jubiläumskonzert ihr 50-jähriges Bestehen

„Den Menschen zur Freude“

Archivartikel

Die 1968er Jahre sind turbulent. Das Land soll freier werden, ein gesellschaftlicher und politischer Umbruch wird angepeilt. Und inmitten dieser stürmischen Zeiten gründet der evangelische Pfarrer von Schriesheim, Wolfgang Putschky, in seiner Gemeinde den Kinderchor Strahlenburger Kirchenspatzen.

Die gibt es noch heute, und so feiern sie mit einem Jubiläumskonzert in der evangelischen Stadtkirche ihr 50-jähriges Bestehen. Den Anfang macht Peter Jäck auf der Trompete, begleitet am Cello von Ulrich Haas, beide selbst ehemalige Sänger der „Kirchenspatzen“, mit dem Stück „Wenn ich merk‘ auf Gottes Güte“.

Mittlerweile nimmt der Chor vor dem Altar auf dem Podest seine Position ein und intoniert den Kanon „Cantate domino“ und „I want to be ready“. Die Aktiven singen mit einer solchen Freude und Hingabe, dass ihre Stimmen die Herzen der Zuhörer in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche rühren. Nach jedem Stück werden sie denn auch mit Beifall geradezu überschüttet.

Geboten werden Choral, Kanon und Gospel, so dass es so manchem Zuhörer schwerfällt, seine Füße still zu halten. Beim „Halleluja, sing a song“ werden die Besucher aber aufgefordert mitzusingen, und Hunderte von Stimmen erfüllen die Kirche.

In ihrer Begrüßung fragt Elke König, Gründungsmitglied des Chors und Initiatorin dieses Konzertes, das Publikum: „Wer von Ihnen hat denn selbst einmal bei den Kirchenspatzen gesungen?“ Fast ein Drittel der Konzertbesucher heben ihre Hände.

„Als der Chor, der ein Kinderchor war, vor 50 Jahren gegründet wurde, da waren es bis zu 350 Sänger“, erinnert sie an sein Entstehen. Die Idee zum ersten Jubiläumskonzert vor zehn Jahren wird geboren, als sie in Weinheim zufällig eine ehemalige Chorsängerin trifft. Der Gedanken reift und wird 2008 mit 100 Sängern umgesetzt. „Es war sehr schwierig und zeitaufwendig, die Ehemaligen ausfindig zu machen“, berichtet sie. Viele sind umgezogen, die Frauen tragen nach Heirat andere Nachnamen. „Gleichwohl gestalten wir das heutige Konzert mit 50 Aktiven.“

Besonders freut sie sich, dass bei diesem Jubiläumskonzert der Gründer des Chors, Wolfgang Putschky, anwesend ist, der auch einige Stücke dirigiert. Bemerkenswert sei auch, dass aus dem Chor Musiker hervorgehen. So etwa Jens Nobiling, der am Klavier den Chor begleitet, Trompeter Peter Jäck, Cellist Ulrich Haas. Eine steile musikalische Karriere hat Katharina Neudeck hinter sich: Als Solistin präsentiert sie drei selbst geschriebene christliche Lieder.

„Gott zur Ehre, den Menschen zur Freude“ – so beschreibt Gründervater Wolfgang Putschky das Motto des Chors: „Dieser Leitspruch ist für viele Chorsänger sogar zum Lebensmotto geworden.“ Putschky zählt einige der großen Erfolge des Chors auf – Auftritte in Kirchen und Altenheimen, Konzerte im In- und Ausland, sogar Plattenaufnahmen. Für ihn einer der schönsten Auftritte ist ein Konzert in Lyon, erinnert er sich. Dann ergreift er den Dirigentenstab und dirigiert mit sichtlicher Leidenschaft und körperlichen Einsatz.

In ihren Schlussworten dankt Kirchengemeinderätin Franziska Mersi allen, die dieses außergewöhnliche Erlebnis möglich gemacht haben.