Schriesheim

Schriesheim Altenvormittag mit Musik im Festzelt / Ein beliebter Treffpunkt für die Älteren, doch viele Tische bleiben leer

Der abgesagte Umzug ist das große Thema

Der abgesagte große Festumzug war beim traditionellen Seniorenfrühschoppen im Festzelt beherrschendes Thema. Jedes Jahr lädt die Stadt alle ihre Senioren ab 65 Jahren zu Getränken und einem Essen ein. In diesem Jahr gab es Frikadellen und Kartoffelsalat und auch eine vegetarische Variante.

Die Senioren kommen gerne, um sich mit Freunden zu treffen, die sie lange nicht mehr gesehen haben, aber auch, um dem Alleinunterhalter Dietmar Jöst zuzuhören, der mit Schlagern und Evergreens Stimmung machte und Freude unter die Gäste brachte. Er sang vom Wein, träumte vom Urlaub am blauen Meer und stimmte ein Prosit der Gemütlichkeit an. Das Zelt war nicht schlecht besetzt, recht viele Tische blieben aber leer. Die Meinungen zum abgesagten Umzug waren geteilt. Während die einen die Absage für übertrieben hielten, stimmten andere der Entscheidung der Verwaltung zu. Auch Bürgermeister Höfer ging bei seiner Begrüßung und nach der Vorstellung der neuen Weinhoheiten auf dieses Thema ein. Diese Entscheidung sei ihm ungemein schwergefallen, doch die Sicherheit habe oberste Priorität, betonte er.

„Wir werden den Umzug am nächsten Sonntag nachholen“, versprach er. Daher werde es einen kleineren Fanfarenumzug geben, ab 14 Uhr setze sich der Festzug in Bewegung. Die Zeltbesucher nahmen diese Ankündigung gelassen hin. „Wenn dann Eberhard nicht noch seinen kleinen Bruder mitbringt“, bemerkte ein Besucher zynisch.

„Sitzen immer am gleichen Tisch“

„Der Umzug interessiert uns weniger, wir sind gekommen, um uns zu treffen“, kommentierte Helga Richter (86). Sie saß mit weiteren hochbetagten Damen an einem Tisch für den Jahrgang 1932. „Wir sind nicht mehr viele aus diesem Jahrgang“, sagte sie mit Blick auf ihre fünf Freundinnen. Doch wann immer es möglich sei, treffe man sich. Seit 16 Jahren lebe sie in Schriesheim, und sie freue sich über die hier vorherrschende Geselligkeit und die tolle Atmosphäre.

„Wir sitzen beim Seniorenfrühschoppen immer am gleichen Tisch“, berichteten Beate und Klaus Locke, beide um die 70. Sie verschlug es vor 27 Jahren nach dem Mauerfall von der Oberlausitz an die Bergstraße. „Wir wohnten erst in Gauangelloch und sind dann nach Schriesheim gezogen. Beide fühlen sich in der Weinstadt sehr wohl, wie sie betonten, klagen aber etwas darüber, dass sie nur wenige Freunde gefunden haben. Anfangs hätten sie zudem Probleme mit dem Dialekt gehabt.