Schriesheim

Schriesheim Städtische Sicherheitskonzept soll auf den Prüfstand gestellt werden / Antrag der Grünen an den Gemeinderat

„Die Auflagen sind nirgendwo so hoch wie in Schriesheim“

„Mir ist diese Sache mit dem Chor am deutlichsten im Gedächtnis geblieben“, sagt Christian Wolf. Der Fraktionschef der Grünen Liste meint ein Konzert, bei dem die Sänger nicht vor, sondern hinter dem Publikum Aufstellung nahmen – nicht aus künstlerischer Freiheit, sondern weil das städtische Sicherheitskonzept es so vorschrieb.

Es ist einer dieser Berichte, die in den letzten Wochen in der Stadt die Runde machten: Sicherheitsleute beim Kinderfasching oder einem Hallenflohmarkt sorgten bei den Veranstaltern nicht nur für Unmut, sondern auch für hohe Kosten.

„Nach unserer Meinung sind diese Vorgaben völlig überzogen“, sagt der Fraktionssprecher der Grünen Liste; es gehe um den Respekt der Verwaltung gegenüber den Vereinen, die Veranstaltungen organisieren und das städtische Leben prägen. „Nirgendwo in unserer Nachbarschaft“, bemerkt Wolf, „werden den Vereinen so harte Auflagen gemacht wie bei uns in Schriesheim.“ Die Stadt sei aber dafür da, die Vereine zu unterstützen, und nicht, sie zu behindern.

Deshalb stellt die Grüne Liste nun für die Gemeinderatssitzung am kommenden Mittwoch einen Antrag in Sachen Sicherheitskonzept: Ein externer Gutachter soll alle neuen Sicherheitsvorschriften für Veranstaltungen überprüfen.

Nicht jedes Fest eine Love Parade

Hintergrund der aktuellen Debatte ist ein Ende 2015 gefasster Gemeinderatsbeschluss, einen städtischen Mitarbeiter zum Veranstaltungs-Techniker ausbilden zu lassen, der für die Einhaltung von Auflagen zuständig sein sollte. Die Verwaltung habe damals unter dem Eindruck der Katastrophe bei der Duisburger Love Parade gehandelt, so Wolf.

Doch sein Fraktionskollege Bernd Molitor, als Tontechniker von Berufs wegen Experte in Sachen Veranstaltungen, erklärt, dass es Sicherheitsvorschriften schon vor der Love Parade gab: „Es geht jetzt nur darum, nicht in jedem Kindergartenfest oder jeder Einschulung gleich eine Love Parade zu sehen.“ Es brauche viel Augenmaß, und in dieser Hinsicht sei „ziemlich wenig passiert.“

Molitor treiben einige Fragen um, auf die er auch trotz Nachhakens noch keine Antwort bekommen habe: Warum darf die Bühne im Zehntkeller nicht mehr auf der Längsseite stehen? Und warum darf die Aula des Kurpfalz-Schulzentrums nicht mehr für „externe“ Veranstaltungen genutzt werden?

Mit der vagen Antwort, sie würde den Sicherheitsvorschriften nicht mehr entsprechen, will er sich nicht abfinden. „Es könnte ja sein, dass es nur an der Beleuchtung für ein Notausgangsschild liegt, und das kann man ja einfach beheben“, sagt er. Ansonsten müssten in Zukunft einfache Vorspiele der Musikschule vor 50 Eltern in der Mehrzweckhalle stattfinden. Ohne Begründung.

Davon abgesehen schreibe die Versammlungsstätten-Verordnung einen Veranstaltungstechniker-Meister ohnehin nur bei großen Events mit um die 2500 Personen vor – in Schriesheim gibt es das höchstens beim Mathaisemarkt: „Und da hat die Stadt bereits einen Berater.“ Er plädiert für eine „Gefährdungsanalyse“, denn ein Schülerkonzert sei nun mal nicht dasselbe wie der Mathaisemarkt-Festzug.

Stadt soll Kosten übernehmen

Neben all den Komplikationen, die sich durch die Auflagen für die Vereine ergeben, sind da noch die Kosten. Wie teuer zwei starke Männer mit Knopf im Ohr am Halleneingang sind, weiß in der Runde niemand zu sagen. Doch die Grünen-Stadträte wollen nicht, dass diese Kosten an den Vereinen hängen bleiben.

Deshalb lautet der zweite Punkt ihres Antrags für die kommende Sitzung: „Wenn von der Stadt bei Veranstaltungen Security-Kräfte gefordert werden, dann übernimmt die Stadt auch die Kosten dafür. Schon gezahlte Kosten für Security-Kräfte werden an die Vereine auf deren Antrag hin zurückerstattet.“