Schriesheim

Schriesheim Stadt erhält Plakette „Barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg“ / Bordsteine sollen abgesenkt werden / Klagen über zugeparkte Gehwege

„Dieser Preis soll uns ein Ansporn sein“

Eine Auszeichnung mehr für Schriesheim: Kürzlich haben Vertreter der Stadt in Stuttgart den Preis „Barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg“ entgegengenommen – als einzige Kommune im Rhein-Neckar-Kreis. In einem Pressegespräch präsentierten nun Bürgermeister Hansjörg Höfer, seine Stellvertreterin Dr. Barbara Schenk-Zitsch sowie Karin Reichel, die Integrationsbeauftragte der Stadt, und Idil Reineke von der AWO die Plakette und erläuterten die Bemühungen der Weinstadt um Barrierefreiheit.

„Wir sind für bereits gemachte Schritte ausgezeichnet worden“, erläuterte der Bürgermeister. „Aber das bedeutet nicht, dass unsere Anstrengungen zu Ende sind. Wir wollen nämlich alle Barrieren aus dem Weg räumen, aber das wird noch Jahrzehnte dauern.“ Barabara Schenk-Zitsch: „Dieser Preis soll uns ein Ansporn sein.“

Karin Reichel schilderte die aufwendige Antragsprozedur mit den vielen Fragen. Wie schätzte die Integrationsbeauftragte die Chancen der Stadt ein? „Verstecken müssen wir uns nicht, und zu verlieren haben wir auch nichts.“ Schriesheim nahm in der Kategorie IV (Gemeinden zwischen 10 001 und 20 000 Einwohnern) teil und siegte gemeinsam mit Bad Saulgau in dieser Klasse. Insgesamt gab es zwölf Preisträger in den sieben Kategorien des Wettbewerbs, der vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg ausgerichtet wird.

Als wichtiges Kriterium für den Erfolg nannte Reichel die barrierefreien Räume in Schriesheim. „Was besonders auffiel, war unser Stadtführer für Menschen mit Behinderungen“, fügte die Integrationsbeauftragte an. Auch eine Kooperation zwischen Gemeinde und anderen Organisationen sei in einer Stadt dieser Größenordnung unüblich.

Dann entwickelte sich ein Gespräch über Geleistetes und Wünschenswertes. Bürgermeister Höfer erwähnte, dass nach und nach die Bordsteine in der Stadt abgesenkt werden. „Ganz schlimm sind die zugeparkten Gehwege“, warf Barbara Schenk-Zitsch ein. Karin Reichel pflichtete ihr bei: „Das Verständnis ist nicht da. Es heißt immer: ’Ich parke da nur zwei Minuten.’“ Höfer bedauerte, dass die Unterführung am OEG-Bahnhof nicht behindertengerecht gestaltet werden kann, da der Platz fehlt. „Eine Alternative ist aber der oberirdische Übergang.“

„Schriesheim ist schon führend in der Region“, lobte Idil Reineke. Sie erwähnte, dass die AWO am Schillerplatz ein Inklusionsprojekt betreibt, das von „Aktion Mensch“ gefördert wird. Allerdings läuft es im kommenden Oktober aus. Ihr Ziel ist es, die Inklusion so anzustoßen, dass sie zum Selbstläufer wird. Ein Schwerpunkt sei die Berufsberatung. „Wir stehen immer mit Rat und Tat zur Seite“, fordert Karin Reichel alle Behinderten auf, sich mit Fragen an sie zu wenden.