Schriesheim

Schriesheim Bürgermeister Hansjörg Höfer über seine eigene Zeit im geteilten Berlin und das Mauerfall-Gemälde im Rathaus

„Dieses Werk ist einzigartig in der Region“

Ein Werk wie das Triptychon zum Mauerfall im Foyer des Schriesheimer Rathauses gibt es in keinem anderen Rathaus der Region. „Ich bin stolz darauf“, bekennt Bürgermeister Hansjörg Höfer im Gespräch mit „MM“-Redakteur Konstantin Groß.

Herr Bürgermeister, manchem Zeitgenossen ist das Gemälde im Rathaus-Foyer ja etwas zu pathetisch. Was ist Ihre Meinung dazu?

Hansjörg Höfer: Das finde ich nicht. Die Zeile „Einigkeit und Recht und Freiheit“, die obendrüber steht, markiert ja eigentlich genau die Werte, die uns alle verbinden können. Künstlerisch ist dieses Werk einzigartig in der Region. So etwas findet man in keinem anderen Rathaus. Insofern bin ich als Bürgermeister durchaus stolz darauf, obwohl es natürlich bereits unter meinem Vorgänger Peter Riehl installiert wurde.

Sie haben ja selbst lange im geteilten Berlin gelebt.

Höfer: Ja, von 1977 bis 1982. Ich habe dort auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur gemacht und zugleich als Bäcker und Konditor gearbeitet, unter anderem in der Feinkost-Abteilung im Kaufhaus KaDeWe. Gewohnt habe ich in einem charakteristischen Berliner Altbau im Stadtteil Schöneberg in der Nähe des berühmten Schöneberger Rathauses, wo einst Kennedy sprach.

Wie haben Sie damals die Mauer empfunden?

Höfer: Man könnte fast sagen: Sie war allgegenwärtig. Ich hatte einen Klassenkameraden, der lebte in Kreuzberg. Das Haus, in dem er wohnte, war nur durch eine schmale Straße von der Mauer getrennt. Wenn man aus dem Haus trat, hatte man sie also direkt vor sich. Das war schon sehr bedrückend.

Waren Sie damals auch im Ostteil der Stadt?

Höfer: Ja, häufig. Ich hatte mal eine Reise auf den Balkan unternommen, fuhr dabei mit dem Rad durch Rumänien und Ungarn bis ans Schwarze Meer. Dort lernte ich eine junge Frau kennen, die aus Ost-Berlin stammte. Sie habe ich mehrmals besucht, und sie hat mir die Stadt gezeigt. Dabei konnte ich auch jenseits der Prachtstraßen blicken. Und da sah es schon ganz anders aus.

Wie fühlten Sie sich in Ost-Berlin?

Höfer: Es war ein ungutes Gefühl. Ich erinnere mich an ein Erlebnis am Vorabend eines 1. Mai. Brigaden und Kapellen übten für die Parade des folgenden Tages. Im Übermut lief ich ihnen ein Stück hinterher und ahmte ihren Stechschritt nach. Einige Leute, die es gut mit mir meinten, zogen mich regelrecht weg von der Straße. So etwas ist hier gefährlich, sagten sie. Noch heute, da ich weiß, was mit mir damals hätte passieren können, bin ich ihnen dankbar.

Hatten Sie auch Erlebnisse mit der Staatsmacht?

Höfer: Wenn ich von Berlin nach Schriesheim wollte, bin ich getrampt über den Grenzübergang Drei Linden. Von den DDR-Grenzern wurden man unfreundlich behandelt, ja schikaniert. Noch heute höre ich den Befehl „Machen Sie sich die Haare aus dem Gesicht“ auf sächsisch. Und noch immer denke ich an die damalige Situation, wenn ich tiefes Sächsisch höre, auch wenn ich natürlich weiß, dass die betreffenden Leute nichts mit dem damals Erlebten zu tun haben.