Schriesheim

Bilanz Regen sorgt in Schriesheim für weit weniger Besucher als in den Vorjahren / Flohmarkt besonders stark gebeutelt

Diesmal ein „Wasserstraßenfest“

Bei der Eröffnung ist Hansjörg Höfer noch zum Scherzen zumute. „Wir setzen heute die Hitze der vergangenen Wochen nicht fort“, formuliert der Bürgermeister. Die Zahl, die eine zentrale Rahmenbedingung des 2019er Straßenfestes darstellt, sehen die Besucher bereits bei Betreten des Festbereiches: Die digitale Temperaturanzeige der Volksbank-Filiale kündet von nur 13 Grad. Wenn dies alles wäre! Als viel schlimmer erweist sich der Regen, der in diesem Jahr der Traditionsveranstaltung zusetzt.

Und so muss sich die Darstellung des Straßenfestes 2019 vor allem am Wetterbericht dieser beiden Tage orientieren. Dabei sieht es am Samstagmorgen noch so aus, als kämen Organisatoren und Besucher mit einem blauen Auge davon. Doch später am Tage wird deutlich: „Das wird heute nichts mehr“, spürt Hansjörg Höfer im Laufe des Eröffnungsrundgangs mit dem Gemeinderat, inzwischen voller Mitgefühl mit denen, die bei diesem Wetter engagiert sind. Und auch am zweiten Tag sollte es nicht wirklich besser werden.

Besonders hart trifft es die Flohmarktstände. Mühsam bedecken die Verkäufer ihre Waren. Doch was nützt das, wenn kaum potenzielle Kunden unterwegs sind. „Das bringt nichts mehr“, meint etwa Frank Röger, früherer Chef der VHS, der am Mittag seiner Familie hilft, die Sachen wieder nach Hause zu bringen.

Das Fehlen der Flohmarktstände verstärkt jedoch die düstere Stimmung in einigen Straßen – und zeigt zugleich, „welch wichtige und oft unterschätzte Funktion sie für eine gute Atmosphäre haben“, wie der langjährige Organisator Karl-Heinz Schulz vom Verkehrsverein weiß.

Glücklich, wer einen Hof nutzt

Doch auch die Imbiss- und Getränkestände leiden unter dem Wetter. Anbieter mit Außenbewirtung können die beiden Tage vergessen; die Stühle des Kaffeehauses glänzen im Regen. Gut haben es da noch Teilnehmer mit breitem Vordach am Stand oder mit breiten Schirmen, das große Los gezogen natürlich jene, die in einem Hof zu Hause sind, in dem die Besucher im Trockenen sitzen können. So etwa der Suppenhof des KSV-Fördervereins bei Marc Hartmann in der Heidelberger Straße oder die Anglerklause in der Oberstadt. „Sie haben ein sehr gutes Geschäft gemacht“, weiß Höfer.

Die Folgen des Wetters sind unübersehbar. Nur ein Bruchteil derer, die sich in den Vorjahren auf dem Fest tummeln, sind unterwegs. Kirchstraße, Friedrichstraße, Heidelberger Straße, die kleinen Gassen dazwischen – sie wirken am Samstag und Sonntag mittags wie leer gefegt. Und wer trotzdem unterwegs ist, ist Teil eines anderen Publikums als sonst: Weniger Familien, weniger Ältere, eher jüngere Jahrgänge.

Trotz alledem: Sobald der Regen aufhört – am frühen Samstagabend, am Sonntagmorgen, auch am Nachmittag –, da strömen die Besucher doch. Und sie bleiben auch, wenn es wieder anfängt, aus vollen Kannen zu schütten. „Angesichts des Wetters erstaunlich, wie viele Menschen trotzdem unterwegs sind“, meint auch Musikschulchef Olaf Weithäuser am Stadtbrunnen. Und am Samstagabend erinnert der Andrang vor dem Historischen Rathaus sogar ein wenig an das Bild der Vorjahre.

Insgesamt jedoch ist die Bilanz eher enttäuschend, dieses Straßenfest ein „Wasserstraßenfest“, wie ein Passant in der Heidelberger Straße feixt. Es bleibt die Hoffnung auf regenfreien Kehraus am Montag und auf das nächste Jahr – dann im September zwei Tage früher als diesmal.

Info: Bilderstrecke unter morgenweb.de/schriesheim