Schriesheim

Schriesheim Altenbacher diskutieren Möglichkeiten für eine bessere Nahversorgung

Dorfladen braucht viele Voraussetzungen

Herbert Kraus ist zufrieden. „Ich habe schon befürchtet, dass wir von Mal zu Mal immer weniger werden“, bekennt Altenbachs Ortsvorsteher: „Aber glücklicherweise gibt es doch einen harten Kern, der sich für diese Frage interessiert.“ In der Tat: Zum wiederholten Mal trafen sich zwei Dutzend Bürger von Altenbach zu einem Thema, das noch mehr bewegt: die Lebensmittelversorgung.

Zum Hintergrund: Vor fast zwei Jahren schloss mit dem Lebensmittelgeschäft Pröll das letzte seiner Art. Damit wurde das Defizit des 1900 Einwohner zählenden Ortes in Sachen Nahversorgung akut, setzte daher aber auch eine entsprechende Initiative der Verwaltung in Gang.

Im Rahmen einer Bürgerwerkstatt fanden bereits mehrere Treffen statt, zuletzt eine Begehung in der ehemaligen Volksbank-Filiale, die ebenfalls geschlossen ist und leer steht. Die Frage lautete: Sind die Räume geeignet für einen Dorfladen, der im Rahmen einer Genossenschaft betrieben werden könnte?

Jutta Breitschwerd vom „Institut für kommunikatives Handeln“, Moderatorin des aktuellen Diskussionsprozesses, hatte sich dazu im Vorfeld beim Genossenschaftsverband erkundigt. Und sie erfuhr: Derzeit gibt es landesweit 30 Dorfläden in genossenschaftlicher Trägerschaft. Zehn funktionieren sehr gut, 15 so lala, fünf machen dem Verband Sorgen.

Für das Funktionieren eines solchen Dorfladens sind verschiedene Voraussetzungen notwendig. Der Umsatz sollte mindestens 400 000 Euro im Jahr betragen, die Fläche um die 127 Quadratmeter, die Miete nicht mehr als 6000 Euro im Jahr.

Entspricht das dem Volksbank-Gebäude? Die Räume hier umfassen auf drei Stockwerken 328 Quadratmeter. „Das ist ein bisschen zu groß.“ Auf der Basis von sieben Euro pro Quadratmeter würde sich eine Miete von gut 2000 Euro errechnen.

Stadt gibt Gutachten in Auftrag

Wie soll es nach diesen Erkenntnissen nun weiter gehen? Ausgiebig diskutierten die Teilnehmer, ob sie zunächst selbst ein Konzept für einen solchen Laden an dieser Stelle erarbeiten oder das geplante Standortgutachten der Stadt abwarten sollen. Dieses soll, wie Torsten Filsinger, der Wirtschaftsförderer der Stadt, erläuterte, im Februar in Auftrag gegeben werden. Und untersuchen, ob und welcher Bedarf vor Ort besteht.

Schon jetzt aber wurde eifrig diskutiert, Ideen vorgebracht, abgewogen, befürwortet oder verworfen. Da die Volksbank zu groß ist, brachte Breitschwerd eine Nutzung des Ladens gemeinsam mit anderen Angeboten ins Spiel, die von den Altenbachern ebenfalls gewünscht werden: Kinderbetreuung, Jugendtreff, Begegnungsstätte. Auf jeden Fall müsste in einem solchen Fall die Stadt mit ins Boot, forderten mehrere Redner. „Die Stadt ist hier in der Pflicht“, betonte einer: „Es kann nicht sein, dass die Stadt sagt: Wir machen nichts, das sollen mal die Bürger machen und eine Genossenschaft gründen.“

Ortsvorsteher Kraus warnte vor zu vielen Planungen, die die Rechnung ohne den Wirt machen: „Wir müssen doch erst einmal mit der Volksbank reden, ob sie das Gebäude überhaupt vermietet und wenn ja zu welchem Preis“, mahnte er.

Breitschwerd sprach noch einen anderen Punkt an: Für eine Genossenschaftslösung bedürfe es einer breiten Unterstützung vor Ort – Bürger, die die Genossenschaftsanteile zeichnen, in den gesetzlich vorgeschriebenen Gremien wie Vorstand und Aufsichtsrat Verantwortung übernehmen und vor allem: die in dem neu entstehenden Laden auch einkaufen. „Hätte es die schon gegeben“, meinte ein Redner, „hätte der Pröll nicht schließen müssen.“