Schriesheim

Schriesheim Die Blumenkammer von Marie-Luise Edelmann schließt am 11. Oktober / Bürgermeister Hansjörg Höfer bedauert den Schritt

„Ein großer Verlust für die Stadt“

Archivartikel

„Abschied ist ein scharfes Schwert“, sang einst Roger Whittaker und dieses scharfe Schwert hat Marie-Luise Edelmann mitten ins Herz getroffen. Nach 38 Jahren zwingen sie „widrige Umstände“ ihren Blumenladen Ecke Talstraße/Schmale Seite zu schließen. „Ich hätte gerne noch die 40 Jahre vollgemacht“, gestand sie bei einem Gespräch mit dem „MM“ und sie ergänzte, dass sie sich zu diesem Entschluss mit Wehmut durchgerungen habe.

Durch ihre Schule gingen viele Lehrlinge und ihre Begeisterung und Liebe zu allem was blüht, sprang auch auf ihre Schwägerin Rosemarie Edelmann über, so dass sie ihren Job bei der Bank adieu sagte und sich fortan der Floristik widmete. Die Entscheidung, das Geschäft zu schließen, wurde ihr von der Neuplanung und Erneuerung der Talstraße abgenommen.

„Wenn erst die Bagger vor dem Geschäft stehen, dann wäre das sowieso der Todesstoß für das Geschäft gewesen“, begründete sie ihre Entscheidung. Dass sie die 40 Jahre nicht vollmachen könne, da mache sie der Stadt keinen Vorwurf daraus. „Das mit den Straßenbauarbeiten war ja hinlänglich bekannt und ich war darauf vorbereitet“, so Edelmann. Auch Bürgermeister Höfer bedauerte die Entscheidung das Geschäft aufzugeben, gehöre sie doch zu den wenigen kreativen Floristinnen: „Es ist ein großer Verlust für die Stadt.“

Die Blumenkammer gehörte zu Schriesheim wie der Wein und die Strahlenburg. Kunden aus Nah und Fern schätzten und bewunderten ihre ausgefallenen fantasievollen und gestalterischen Blumenkreationen. Sie lieferte ausgefallene, teils auch kuriose Gestecke für Geburten, Hochzeiten und andere Jubiläen. Und ihre künstlerischen Schöpfungen am Kanzelbach, die sie immer den Jahreszeiten anpasste, wurden zu echten Fotoobjekten sowohl für Touristen wie auch für die Bewohner.

Als Abschiedsgeschenk vermachte sie der Stadt und dem Kerg Museum eine Installation aus Metall, bestehend aus geometrischen Figuren, einem Kreis, einem Vier- und Dreieck, sowie Würfel aus Holz – alles in den Farben blau und rot. Diese hatte Edelmann zum 100-jährigen Bauhausjubiläum anfertigen lassen und sie standen bislang am Steg in der Hofstraße. Doch jetzt sind sie so etwas wie ein Entrée ins Kerg Museum und stehen seitlich zum Museum fest verankert im Boden. Dass diese geometrischen Statuetten just zur Ausstellung der Künstlerin Anna Recker installiert wurden, ist rein zufällig, das bestätigte die Leiterin des Kerg Museums Lynn Schoene, die sich ebenso wie Bürgermeister Höfer für diese Gabe bei Marie-Luise Edelmann bedankte.

Am 11. Oktober wird Edelmann zum letzten Mal ihre Blumenkammer öffnen und mit einem Glas Sekt sich bei ihren Kunden bedanken. Doch zum „alten Eisen“ will sie dann noch lange nicht gehören. Was sie vorhat, darüber hüllt sie sich noch in Schweigen. Nur eines verrät sie noch. Die Blumenkästen am Kanzelbach und in der Altstadt werden erhalten bleiben. Diese hat sie dem Verkehrsverein vermacht, der die Bepflanzung an Blumen Angelika übergibt. greg