Schriesheim

Schriesheim Grüne haben das Boulevard-Theater Deidesheim zu Gast / Zehntkeller mit neuer Akustikdecke

Ein mörderisches Abendessen

Wie das wohl schmeckt, Pute in Marsala? So ein zarter, heller Braten, umschmeichelt von einem Sößchen mit fruchtiger Weinnote? Hilde hält das Rezeptbuch für einen Moment fest umklammert; „Geflügel und Wild“ heißt das Geheimnis ihrer Leidenschaft, und sie tüftelt Ideen aus für eine besondere Mahlzeit. Schon läuft dem einen oder anderen Zuschauer das Wasser im Mund zusammen, doch dann verfinstert sich ihr Blick; bevor sie die Bühne verlässt, murmelt sie unheilverkündend: „Oder Fisch in Marsala.“ Mit der Andeutung eines tragischen Endes.

Na ja, vielleicht nicht wirklich tragisch: „Gatte gegrillt“ ist eine garstige, schwarze Komödie und Hilde keine Medea, sondern eine pfälzische Kittelschürzenträgerin. Patricia Kain, die unter der fettigen Perücke steckt, gehört zum Boulevard-Theater Deidesheim: Zum ersten Mal in der Geschichte der politischen Aschermittwoche tritt das Ensemble jetzt auf Einladung der Grünen Liste im Zehntkeller auf. Zwar nicht mit Polit-Satire, dafür aber mit einem Kammerspiel, das vor Hintersinn und Boshaftigkeit nur so strotzt.

Bevor es losgeht, macht Grünen-Fraktionssprecher Christian Wolf darauf aufmerksam, dass die Gäste zum ersten Mal unter der neuen „Schall-Absorber-Decke“ sitzen – das graue, am rohen Beton aufgehängte Material wäre vermutlich gar nicht aufgefallen. Doch nun geht der Blick nach oben in der Erwartung, dass der zuvor oft kritisierte Raumklang nun verbessert wird – immerhin, der Hall ist nicht mehr so stark. „Bis 23 Uhr letzte Nacht wurde daran gearbeitet“, sagt Wolf. Dann wurden die Tische aufgestellt, an denen die Besucher nun dicht gedrängt sitzen.

Zurück zum Fisch: Immer wieder sinnt die Gattin darüber, wie sie dem Exmann den Garaus machen soll. Wunderbar, wie Kain der Rolle mit temperamentvollen Liedern, Tänzen und beredtem Mienenspiel Leben einhaucht. Großartig ihre Tobsuchtsanfälle und das eiskalte Lächeln, das ihr einen Extra-Applaus einbringt. In Rückblenden, die auf Kalenderblättern angezeigt werden, führt sie das Publikum durch die Geschichte ihrer Ehe, angefangen vom jungen Glück bis zum Niedergang: Lieblingsgerichte und Fernsehen werden langweilig, Sex selten, Robert (Tim Poschmann) wendet sich der blonden Lola zu.

Für die erkrankte Felicitas Hadzik ist an diesem Abend Tanja Götemann-Weishaar eingesprungen. In Schriesheim stand sie bereits als Regisseurin Pate für ähnlich böse Komödien der Theatergruppe „Die Rebläuse“. Nun zeigt sie als Schauspielerin ihr Können, begeistert mit dem Lied aus dem „Blauen Engel“ und umgarnt gurrend auch mal die Herren im Publikum. Sie tritt auf einer Party in Roberts Leben; Hilde macht mit ihrem Kartoffelsalat Furore, sie macht sich derweil an ihren Gatten heran.

Emanzipatorischer Rückschlag

Für „Childe“ hat die aufgedonnerte Russin nichts übrig, doch das ändert sich mit der Zeit. Denn auch sie merkt, dass ihr Neuer nicht der Held ist, den sie eben noch besungen hat. Mit filziger Lockenperücke, Machogehabe und breitem Dialekt ist seine Rolle ohnehin nicht als die eines Pfälzer Clooneys angelegt. Schon gar nicht, als er die Scheidung hinauszögert und erklärt: „Ich bräuchte halt einen guten Grund.“ Und mit dem Klassiker fortfährt: „Ich wollte es ihr sagen, wenn ich soweit bin.“ Also nie.

Zwischendurch erleidet das Stück einen emanzipatorischen Rückschlag, als sich auch Lola für den faulen Robert in die Küche stellt. Doch werden die kopfschüttelnden Frauen im Publikum durch die Essens-Einladung entschädigt. Der grätige Fisch spielt bei Roberts Ende eine nicht unerhebliche Rolle, und nun wird manchem Zuschauer doch unbehaglich; einer raunt: „Das ist jetzt doch ein bisschen männerfeindlich.“

Poschmann, der am Ende wieder aufersteht, sieht das Ganze eher als „Weiterbildungsmaßnahme“ und grinst: „Männer, lasst euch das eine Lehre sein. Wenn morgen der Kaffee anders schmeckt…“ Da wird auch ein verrutschtes Lächeln wieder strahlend. Und am Ende verabschiedet sich die Truppe unter Riesenbeifall.