Schriesheim

Schriesheim Textsammlungen zu Kulturstätten und historischen Ereignissen der Stadt

Einblicke in die Ortsgeschichte

Von unserer Mitarbeiterin

Gerlinde Gregor

400 Jahre Ortsgeschichte umfasst das neue Schriesheimer Jahrbuch. Auf dem Titelbild der 22. Ausgabe ist die eine oder andere thematisierte Kulturstätte bereits zu erkennen. Neben den acht ortsansässigen und heimatkundlich versierten Autoren findet sich auch der dänischen Autor Jan Hyllested im Jahrbuch-Verzeichnis wieder, der sich in seinem Beitrag auf die Suche nach seinen Vorfahren macht. Die neue Ausgabe umfasst zehn Beiträge, von denen zwei aus der Feder von Archivar Dirk Hecht stammen, der das neue Jahrbuch präsentierte.

Alle Autoren drangen für ihre Texte in die Schriesheimer Geschichte ein: Gerhard Merkel beleuchtet, was Kurfürst Friedrich V. und der Prager Fenstersturz mit Schriesheims Geschichte gemeinsam haben. Die Verbindung stellt dabei Abraham Scultetus her, der 1594 Vikar in Schriesheim war und in Prag mit einem Bildersturm im Veitsdom die Prager Bevölkerung auf die Barrikaden brachte und so den Fenstersturz mit verschuldet hatte.

Der in Dänemark lebende Hyllestad begibt sich auf die Spuren der im frühen 18. Jahrhundert nach Dänemark ausgewanderten Schriesheimer, die im Königreich die Kartoffeln heimisch machten und von den Einheimischen den Namen „Kartoffeldeutsche“ erhielten. Archivar Dirk Hecht setzt sich mit der Geschichte der Wasser- und Abwasserversorgung auseinander. In einem weiteren Text dringt er in die dunklen Jahre des ersten Weltkriegs ein und beschreibt die Auswirkungen auf die Bevölkerung sowie damalige Versorgungsengpässe. Einen Einblick über 140 Jahre Gemeinschaftsschule am Beispiel der Strahlenberger Grundschule gibt Stephanie Kuntermann. Die Protokolle der Freiwilligen Feuerwehr aus den Jahren 1934 und 1935 haben die beiden Autoren Thomas Weber und Erika Haas durchforstet, mit historischen Bildern bestückt und dem Aufbau eines Tagesbuchs nachempfunden.

Kriegserfahrungen darstellen

Georg Döringer blickt in seiner Biografie auf seinen Jahrgang 1923 zurück und beschreibt die Erlebnisse und Erfahrungen mit den Kriegs- und Schreckensjahren. Friedrich Menges hat das evangelischen Waldheim Spatschlucht, das heute von den Pfadfindern genutzt wird und damals als eine einfache Übernachtungshütte von kriegstraumatisierten Jugendlichen und Kindern diente, zu seinem Thema gemacht. Der jüngste Autor Lukas Schmidt taucht in die Schriesheimer Geschichte der 70er Jahre ein: Der bereits in Vergessenheit geratene Trimm-Dich-Pfad des Rückhaltebeckens ist der Ausgangspunkt für seinen Jahrbuchtext.

Der letzte Beitrag erinnert an das schwärzeste Kapitel der Deutschen Geschichte. Monika Stärker-Weinweck beschreibt darin die Verlegung der Stolpersteine im Juli 2018 vor den letzten Häusern der vertriebenen jüdischen Familien. Einen chronologischen Jahresrückblick gibt Andrea Bäuerle, die auch die technische Gestaltung des Buches übernahm. Das Jahrbuch kostet 16 Euro und ist ab sofort im Buchhandel erhält. Zudem gibt es auch einen neuen Kalender, der historische, gewöhnliche und einmalige Darstellungen Schriesheimer Gasthäuser zeigt.