Schriesheim

Schriesheim Nach zehn Jahren gibt Bernd Doll den Vorsitz der 6000 Mitglieder starken Interessengemeinschaft Waldschwimmbad ab

Eine tiefe Zäsur für ihn selbst, aber auch für seinen Verein

Archivartikel

Als Bernd Doll sich am Donnerstagabend nach seiner letzten Vorstandssitzung auf den Heimweg macht, da überkommt ihn ein seltsames Gefühl: „Das gleiche wie vor acht Jahren, als ich nach meinem letzten Arbeitstag im Beruf nach Hause gefahren bin“, schmunzelt er.

Eine Art Vollzeit-Job geht für Doll auch am Freitag zu Ende: Auf der Hauptversammlung der Interessengemeinschaft zur Erhaltung und Betreibung des Waldschwimmbades (IEWS) gibt er nach zehn Jahren den Vorsitz des mit 6000 Mitgliedern größten Vereins der Region ab.

Es ist eine Zäsur für den Verein und auch für ihn. „50 Jahre Engagement mit Verantwortung in Vereinen liegen hinter mir“, erzählt er im Gespräch mit dem „MM“. Seit seiner Jugend ist er in Vereinen aktiv – zunächst als Ringer im KSV, später als Schwimmer im „Schwimmclub“, den es nicht mehr gibt. Eine Krankheit zwingt ihn früh, den Leistungssport aufzugeben. Den Vereinen bleibt er treu, wird nun Funktionär, um das zu Unrecht oftmals negativ gebrauchte Wort zu verwenden: Mit 18 ist er Schriftführer im KSV, dem damals größten Verein in der Stadt, wird später Vorsitzender des Beirats.

Lockerer Spruch bringt Amt

Erst spät übernimmt er die IEWS. Die sucht 2009 einen Vorsitzenden. „Euren Verein führe ich in der Frühstückspause“, sagt er in trauter Runde, wie er heute zugibt, etwas vollmundig –, wird beim Wort genommen und am 9. Mai 2009 gewählt.

Und er hängt sich rein. Das entspricht seinem Naturell, ist aber auch nötig: 6000 Mitglieder, bei einer Fluktuation von 350, die am Ende einer Saison aus- und vor der nächsten wieder eintreten. Dazu ein Haushalt von 300 000 Euro. In seiner peniblen und zugleich flexiblen Art packt Doll diese Mammutaufgabe, gleicht die unterschiedlichen Strömungen im Verein aus, unterhält ein gutes Arbeitsverhältnis zur Stadt.

Warum hört er auf? „50 Jahre Engagement in verantwortlicher Position sind genug“, sagt er. Und das zentrale Wort in diesem Satz lautet Verantwortung: „Wie oft bin ich nachts ins Bett und habe nicht gut geschlafen, weil irgendetwas im Verein anstand oder zu entscheiden war“, bekennt er. Zudem, mit der Zeit gehe Dynamik verloren: „Man ist nicht mehr so innovationsfähig – und wohl auch nicht mehr bereit dazu.“

Doch er hinterlässt ein gut, ja optimal bestelltes Haus: Die Technik ist, gerade was die Wasserqualität angeht, auf dem neuesten Stand, die Solarthermie eingeführt. Bereits in ihrer ersten Saison zeigt sie eine Stromersparnis in Höhe von 10 000 Euro. Auch das Gelände ist in gutem Zustand, das Restaurant dank der neuen Terrasse ein Schmuckstück. „Nicht umsonst schneidet das Waldschwimmbad in allen Vergleichen auf vorderen Plätzen ab“, meint Doll nicht ohne Stolz. Doch das hohe Niveau zu halten, wird Aufgabe genug.

Eine eigene Baustelle: das ehrenamtliche Engagement. Der Verein zählt zwar 6000 Mitglieder, doch zur Jahreshauptversammlung kommen um die 45: „Heute ist Engagement vor allem projektbezogen“, spürt Doll. „Aber wenn das Bad in Gefahr wäre, stünden die Mitglieder ebenso auf der Matte wie vor 25 Jahren.“

Umso glücklicher ist Doll über die große Kontinuität im Vorstand. Eine der langjährigen Mitstreiterinnen, Sabine Portz, soll seine Nachfolge antreten. Zu ihrer Unterstützung steht Doll bereit – auch im 51. Jahr seines Vereins-Engagements.