Schriesheim

Schriesheim MGV Eintracht feiert sein 120-jähriges Bestehen mit einem Chorfestival / Gesang, Tanz, Sternenhimmel

Einträchtig bis zum Schlusslied

Archivartikel

Für das Schlusslied passten gar nicht alle Sänger auf die Bühne: „So geht das nicht“, kommentierte Helmut Hölzel und positionierte einige Sänger links und rechts vor der Bühne, auch der Chorleiter musste ausnahmsweise mal vor der Bühne dirigieren. Es war ein bewegtes Finale unter der illuminierten Linde im Schulhof der Strahlenberger Grundschule, unter einem Sternengefunkel vor einem strahlend blauem Nachthimmel: Vom Augenblick berührt und mit feuchten Augen lagen sich die Zuhörer in den Armen, als gefühlte tausend Sänger vor und neben der Bühne das „Donna Maria“ anstimmten.

Dabei war das Open-Air Konzert eigentlich „kein echtes Jubiläum“, wie der Eintracht-Vorsitzende in seiner Begrüßungsrede erklärte. Aber dennoch, 120 Jahre seien „ein Grund zu feiern“, betonte Hölzel. „Chöre aus Hessen und Schriesheim geben sich die Ehre“, war das Motto des Abends, den Conférencier Georg Brand treffend als ein „hessisches Chorfestival mit ein paar Badensern“ bezeichnete. Aber Chorleiter Hans Kaspar Scharf kommt nun mal aus Darmstadt und brachte einige seiner Chöre mit.

Sie rufen, 13 Chöre kommen

Weshalb die Eintracht dann eben der einzige Chor aus der Chorgemeinschaft war, der im Badischen beheimatet ist. Die Weinhoheiten Annalena Spieß und Ann-Kathrin Haas begrüßten die Gäste mit einem Weinspruch, während Bürgermeister Hansjörg Höfer das Festival eine „Bereicherung für die Stadt“ nannte und erklärte, dass viel mehr Sänger, Tänzer und Besucher nicht mehr auf den Schulhof passten.

Der Abend begann mit einer Vorführung der Kinder- und Jugendvolkstanzgruppe der Eintracht, dann eröffneten die Gastgeber das kleine Festival auch musikalisch, passenderweise mit Hans Weiß Steinbergs Lied „Höre mein Rufen“. 13 Chöre waren diesem Rufen zum 120-jährigen Bestehen der Eintracht gefolgt, „Lyra“ und „Liederkranz“ aus der Kernstadt sowie die Ensembles aus den Ortsteilen Altenbach und Ursenbach, aus Habitzheim, Birkenau, Darmstadt, Dudenhofen und Viernheim. Mit dabei waren zudem zwei Volkstanzgruppen: Es war ein breitgefächertes Repertoire von nationalen und internationalen Stücken, traditioneller und auch moderner Musik.

Zu einem „fröhlichen Fest unter Freunden“ hatte Hölzel eingeladen, wie er in seiner Ansprache sagte. Die Feste des MGV Eintracht Schriesheim seien schon legendär, konterte die Vorsitzende des Frauenchores 1947 aus Viernheim, Sylvia Thomes: „Mit den Schriesheimern können wir gut feiern.“ Herbert Grönemeyers Hit „Männer“ kam mit leicht verändertem Text auf die Bühne, die Männer wurden einfach durch Frauen ersetzt, was den Gästen stehenden Beifall einbrachte.

Es sollte an diesem Abend nicht die letzte Aktion des Frauenchores bleiben. „So geht das nicht“: Das sagte zum Finale nämlich nicht nur Hölzel, als nicht alle Sänger auf der Bühne Platz fanden – die selben Worte fand auch Thomes, allerdings aus anderen Gründen: „Ich finde es schade, dass beim gemeinsamen Schlusslied nur Männerchöre mitsingen dürfen.“

Das Lied könnten nur die Männerchöre singen, das würde dann nicht zusammen passen, so die Begründung der Veranstalter. „Wir können das Lied sehr wohl singen“, entgegnete Thomes. Und so sangen am Ende doch alle zusammen das Schlusslied, die Männer auf und vor der Bühne und der Frauenchor an ihrem Tisch irgendwo im hinteren Teil der Tischreihen. Ob ihre Stimmen und ihre Botschaft allerdings gehört wurde, wird sich in Zukunft zeigen.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/schriesheim