Schriesheim

Schriesheim Bildhauer Josef Nadj stellt im Kerg-Museum aus

Einzigartige Skulpturen

Archivartikel

„Einfach toll, wenn man bedenkt, dass diese Skulpturen aus einem einzigen Block gehauen sind“, staunte eine Besucherin, die am Sonntagmorgen zu der Vernissage des Bildhauers Josef Nadj ins Kerg- Museum gekommen war. Die Kunstobjekte sahen aus, als wären sie aus feinem Marmor und das fühlte sich auch beim zaghaften Berühren so an. Aber sie waren nicht aus Marmor gehauen, sondern aus einem vulkanischen Gestein, bekannt als Diabas, die der Künstler mittels Diamantsägen geschnitten und bis zu hauchdünnen Flächen und Stegen ausgedünnt hat.

Während viele Künstler eine direkt panische Angst haben, dass man das Werk berührt, so forderte Josef Nadj die Besucher direkt auf, die Werke anzufassen und diese wie einen Katalysator auf sich wirken zu lassen. „Die Skulpturen sollen mit den Augen und auch mit den Händen erfasst werden nur so entsteht eine Interaktion mit dem Werk“, begründete er.

Der in Horb am Neckar lebende Bildhauer Josef Nadj hat nach seinem Studium an der Freien Kunstschule in Stuttgart schnell seine Begeisterung für eine individuelle einzigartige Gestaltung von Steinen gefunden. Bringt doch jede Gesteinsart eigene Materialeigenschaften mit, führte die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel in die Ausstellung ein, die bei den Kunst beflissenen Schriesheimern auf großes Interesse stieß. Bei seiner Bearbeitung des Rohmaterials sei er bestrebt, seine inneren Kräfte freizusetzen, beschreibt sie seine Bearbeitungsweise des Rohmaterials. Man könnte ihn als einen Grenzgänger bezeichnen, holt er doch aus einem stattlichen Steinblock bis kurz vor seinem Zerbrechen alles heraus. Er gehe an die Grenzen des Machbaren.

Die Einzigartigkeit seiner Skulpturen erkennt man daran, dass scharfe Kanten sich gegen weiche Rundungen abwechseln und das verleiht den Werken einen hohen ästhetischen Reiz, was die Besucher auch so empfanden. In der Ausstellung zu sehen sind auch Werke aus Syenit aus den Vogesen, Serpentin aus Impala, ein Stein von dunkelbrauner Färbung, ebenso wie eine Statuette aus Lapislazuli, was den Betrachter gleich ins Auge fiel. Hier formte er zwei Kreisscheiben mit einer Mittellochung, in die ein Stab aus blauen Stein geführt ist.

Dreidimensionales Gestalten

Zu sehen ist auch ein maßstabgerechter Entwurf eines zentralen Monuments, das er für einen Friedwald angefertigt hat. Die Kunsthistorikerin beschreibt es als die „Visualisierung“ oder als „das optische Negieren“ von Tragen und Lasten als „grundlegende Prinzipien dreidimensionalen Gestaltens“. Zeichnungen mit Tusche, Feder und Farben runden diese Ausstellung ab. „Es sind stille Objekte, die aus der Feder von Nadj ihre eigene skulpturale Dynamik entwickeln“, so die Kunsthistorikerin. Für den Künstler selbst sind es Skizzen von Ideen.

Die Ausstellung im Kerg-Museum ist noch bis zum 28. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag von 14-17 Uhr und am Mittwoch von 17-19 Uhr. greg