Schriesheim

Schriesheim Kammerchor begeistert das Publikum bei seinem Konzert unter der Linde vor dem Zehntkeller / Dirigent Markus Karch hat sicheres Gespür

Elfen und Hexen sorgen für Gänsehaut

Dass die „Serenade unter der Linde“ einen kulturellen Höhepunkt im Schriesheimer Jahresprogramm darstellt, ist längst kein Geheimnis mehr. Und dass die mehr als 300 Plätze vor dem Zehntkeller kaum ausreichen, ist auch Teil des Programms. Es gibt einfach Traditionen. Auch musikalische, die sich jedes Jahr wiederholen. Eine davon ist die Anknüpfung an das Programm des Vorjahres.

Wobei, wie Dirigent Markus Karch erläuterte, es dieses Jahr mit der Tradition beinahe nicht geklappt hätte. Karch ist nicht nur Dirigent des Schriesheimer Kammerchores, er arrangiert auch das Programm der Serenadenkonzerte: „Den Zauberspruch von Petr Eben hatten wir letztes Jahr, der sollte dieses Jahr wieder mit ins Programm. Das war dann die Initial-Idee, das diesjährige Programm nicht nur mit Zauberern, sondern auch mit Elfen und Hexen zu füllen.“ Doch Karch hatte da seine Zweifel, ob sich denn überhaupt so viel Material zu dem Thema für ein Serenadenkonzert finden ließe.

Geheimnisvolle Stimmung

„Ich war erstaunt, denn zu dem Thema wurde doch mehr geschrieben und komponiert, als ich erwartet hatte“, berichtet der Chorleiter. Dennoch, die Stücke brachten noch eine andere Problematik mit, wie er im Anschluss an das Konzert erläuterte: „Die Stücke waren teilweise sehr anspruchsvoll, das hat mir zu schaffen gemacht.“ Hexen, Zauberer und Elfen erscheinen meist in einer besonderen, unheimlichen Umgebung, das machte die Sache musikalisch streckenweise sehr schwierig, sowohl für den Komponisten als auch für die Sänger und Musiker bei der Aufführung.

Und gleichzeitig macht es die Sache aber auch interessant für die Zuhörer, die ein vielschichtiges, anspruchsvolles und besonders mystisches und geheimnisvolles Programm erwarten können. Vielleicht war es gerade diese unheimliche Spannung und Vorfreude, die dieses Jahr noch mehr Zuhörer unter die Linde lockte. Und die Zuschauer hörten gespannt zu: So gespannt, dass bisweilen absolute Stille herrschte. Eine fast schon unheimliche Stille im Publikum, als hätten die Musiker das Publikum längst selber verhext. Nicht nur inhaltlich, sondern insbesondere auch musikalisch. Die Sänger, Sprecher und auch das Orchester wurden den unterschiedlichen und anspruchsvollen Stücken mehr als gerecht. Denn sie überzeugten mit professioneller Disziplin und artistischem und geheimnisvollem Spiel und Gesang.

Anspruchsvolles Repertoire

Schon bei Haydns Hexenquartett ganz am Anfang des Abends war klar, auf welch anspruchsvollem Niveau das diesjährige Serenadenkonzert stehen wird. Danach die Walpurgisnacht von Wilhelm Busch zu rezitieren, ist noch charmant, doch spätestens bei den Waldgesprächen von Eichendorff wurde es gruselig unter der ausladenden Linde: „Es ist schon spät, es wird schon kalt, kommst nimmermehr aus diesem Wald!“ Und so war es auch, die Musiker hatten ihr Publikum unter der Linde fest im Griff.

Aus den anspruchsvollen musikalischen Stücken von Strauß, Vaughan-Williams, Purcell, Mendelsohn, Schumann, Brahms und Mozart und Texten unter anderem auch von Rückert verstand es Karch, ein mystisches und spannendes Programm zusammen zu stellen, das für Gänsehaut sorgte. Inhaltlich alle Mal, und insbesondere auch bei dem hohen musikalischen Niveau, das die Musiker und auch der Chor unter der Leitung von Markus Karch boten.