Schriesheim

Schriesheim Veranstaltung Kirche hellwach lädt Christen zu Besinnung und Meditation ein

„Erinnern und nicht vergessen“

Archivartikel

Innehalten, Besinnung und Meditation. Welche Bedeutung kommt der Erinnerung bei der Suche und dem nie endenden Kampf nach dem rechten Weg zu? Und welche Rolle spielt darin Gott? Unter diese großen Themen stellten die Schriesheimer christlichen Gemeinden den Reformationstag und luden alle Christen zum Singen, Beten und Nachdenken ein.

Taizé-Gesänge, unterstützt von Flöten und einer Gitarre, erfüllten die katholische Kirche, die nur soweit erhellt war, dass die Besucher im Gesangbuch lesen konnten. Die Bibel als Medium wurde an drei symbolischen Orten – dem Taufbecken, den Stufen des Alters und unter dem Kreuz – herangezogen. Dort besannen sich die Christen der Gnade Gottes, die er den Menschen zuteil werden lässt.

In der Gesellschaft „draufgeschaut“, hatten Schriesheimer Bürger. Andreas Piekenbrock, Professor für Bürgerliches Recht an der Universität Heidelberg, machte das Recht auf Asyl, das im Grundgesetz verankert ist, zum Thema. Die Würde des Menschen sei unantastbar und im Grundgesetz verbrieft, betonte er.

Die eindrucksvolle Erinnerung an eine Flucht aus dem Iran, ging den Zuhörern ans Herz: 2015 flüchtete Pooria Vartavan, der als Christ verfolgt wurde, mit seiner Familie aus dem Iran. In einem guten Deutsch schilderte er die dramatische Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. Während der gesamten Überfahrt in dem überfüllten Boot habe er an Jesus gedacht, wie dieser auf dem See wandelte und seine Jünger aufforderte, es ihm gleich zu tun. Der Glaube habe ihm die Angst genommen.

An was mag sich der Mensch erinnern, fragte die Erzieherin Claudia Kopp. In guter Erinnerung blieben stets das Schöne und Angenehme wie Familienfeste, gemeinsame Urlaube und die erste Liebe, während das Unschöne meist in Vergessenheit gerate. Untersuchungen hätten gezeigt, dass man sich ab dem 18. Lebensmonat zurück erinnern könne. „Erinnern und nicht vergessen“, mahnte Joachim Maier. Und gegen das Vergessen seien die Stolpersteine verlegt worden. Menschen setzten Denkmale, die an Katastrophen erinnern sollen, und diese Denkmale würden oft zu Mahnmalen, so Maier. Im Nationalsozialismus sei den Juden die Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit abgesprochen worden. Dieses Unrecht sollen die Stolpersteine sichtbar machen und gegen das Vergessen wirken.

Im „Mittendrin“ wurde der Film „Dienstags bei Morrie“ gezeigt. Der Film des Regisseurs Mick Jackson aus dem Jahre 1999 nach dem gleichnamigen Buch von Mitch Albom handelt vom ehemaligen Soziologieprofessor Morrie Schwartz. Dieser leidet unheilbar an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), einer sehr ernsten Erkrankung des zentralen und peripheren Nervensystems. Sein ehemaliger Schüler, der zufällig davon erfahren hatte, fliegt jeden Dienstag von Detroit nach Boston, um den Sterbenden zu besuchen und sich mit ihm zu unterhalten.

Beendet wurde der Reformationstag mit einer Andacht und dem Segen in der evangelischen Kirche.