Schriesheim

Schriesheim Kirchen veranstalten Gedenken zum 9. November

Erinnerung an das Ende einer Epoche

Ein dunkles Kapitel der Ortsgeschichte jährt sich heuer zum 80. Mal: Am Morgen des 10. November 1938 plünderten Anhänger und Mitglieder der NSDAP das jüdische Gemeindehaus in der Lutherischen Kirchgasse und zerstörten die Inneneinrichtung.

Landesweit wurden über 25 000 jüdische Männer vorübergehend in Konzentrationslager wie Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt, überall in Deutschland wurden an diesen Tagen Gotteshäuser, Wohnungen und Geschäfte jüdischer Familien zerstört.

Der Tag markierte in Schriesheim zugleich das Ende einer fast hundertjährigen Epoche: Die einstige lutherische Kirche wurde nämlich 1845 vom damaligen Heidelberger Rabbiner Salomon Fürst in Anwesenheit zahlreicher Juden und Christen zur Synagoge geweiht. Das Haus, betonte er in seiner Ansprache, sei von seinen Erbauern als „Gotteshaus und Himmelspforte“ erbaut worden und diene nunmehr der israelitischen Gemeinde für denselben Zweck. Über dem Eingang stand auf einer einfachen Holztafel ein Vers aus dem 118. Psalm der Bibel: „Dies ist das Tor des Ewigen, nur Gerechte treten hier ein.“

Im Hof der ehemaligen Synagoge in der Lutherischen Kirchgasse 12 ist am 9. November um 19 Uhr der Ausgangspunkt der diesjährigen Gedenkveranstaltung geplant; hier geht es um die Frage, was am 10. November 1938 in Schriesheim geschah.

Fortgesetzt wird der Abend in der Evangelischen Stadtkirche. Die evangelische Pfarrerin Suse Best und ihr katholischer Amtskollege Ronny Baier sprechen über das Verlöschen jüdischen Gemeindelebens, dazu gibt es Bilder, Gebet und Gesang. Neben Markus Enzinger und Joachim Maier wirkt auch Organistin Maria Mokhova an der Feier mit. red