Schriesheim

Schriesheim Stefan Bernauer, Andreas Gehrig und Liselore Breitenreicher von der Bürgergemeinschaft Schriesheim (BgS) erläutern ihre politische Arbeit

„Ernst machen mit Bürgerbeteiligung“

Normalerweise geht es an dieser Stelle um das Programm einer Liste zur Kommunalwahl. Dargestellt werden die Forderungen, deren Erfüllung die Kandidaten den Wählern versprechen. „So etwas können wir Ihnen leider nicht bieten“, lacht Stefan Bernauer von der Bürgergemeinschaft Schriesheim im Gespräch mit dem „MM“. „Ein festgefügtes Programm von uns gibt es nicht. Es wird sich erst allmählich entwickeln.“

Die Bürgergemeinschaft war die große Überraschung im Vorfeld dieser Kommunalwahl in Schriesheim. In der Kernstadt stellt sie sechs Kandidaten, sogar im Stadtteil Altenbach vier, was selbst manch lange etablierte Partei nicht geschafft hat. Prägende Kraft ist Stefan Bernauer. Der 50-Jährige, bekannt als Musiker der Schriesheimer Bands „Rock-Express“ und „Fahrenheit“, „Strahlemänner“ und „Garden-Party“, ist jedoch nicht Spitzenkandidat. Das geht nicht, weil er im Stadtteil Altenbach wohnt, wo er die Liste anführt.

So kam Andreas Gehrig zu der Ehre der Spitzenkandidatur in der Kernstadt. Der 27-jährige Chemieingenieur, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und im Gesangverein Liederkranz, sammelte bereits im Jugendgemeinderat kommunalpolitische Erfahrungen. „Die Arbeit dort hat mir sehr viel Spaß gemacht, so dass ich mich entschlossen habe, mich weiter bürgerschaftlich und kommunalpolitisch zu engagieren.“

Die dritte in der Gesprächsrunde mit dem „MM“ ist ein in Schriesheim allseits bekanntes Gesicht: Liselore („Lissy“) Breitenreicher, „die Frau vom Reisebüro“ in der Altstadt, aktiv im Schwimmbadverein und im Förderkreis des KSV, bei den Anglern und bei den Sportschützen.

Anfang des Jahres hatten sie sich zusammengefunden, die 50 Unterstützungsunterschriften, die sie für eine Gemeinderatskandidatur benötigten, innerhalb von zwei Tagen beisammen, am Ende sogar rund 90.

Intention: Was treibt sie an? „Die Bürger werden mit ihren Anliegen von der Verwaltung und den Parteien nicht ernst genommen“, klagt Bernauer. „Wenn man sich ans Rathaus wendet, bekommt man entweder gar keine Antwort oder erst nach Wochen oder eine völlig unzureichende“, ergänzt Breitenreicher. Auch die Mitbewerber würden daran nichts ändern. „Wir sind in der Kommunalpolitik also eine echte Marktlücke“, sagt Andreas Gehrig.

Mechanismus: „Wir wollen mit Bürgerbeteiligung, ja mit der Demokratie an sich, richtig ernst machen“, formuliert Bernauer. Ziel war daher, eine politische Mitwirkungsmöglichkeit zu entwickeln, „die keine Einbahnstraße mehr ist.“ Herzstück der politischen Arbeit der Bürgergemeinschaft im Allgemeinen und des Wahlkampfes im Speziellen ist daher die Website bg-schriesheim.de. Hier könne jeder, falls gewünscht auch anonym, seine Themen anbringen und zu diesen oder auch anderen seine Meinung abgeben. „Das Meinungsbild der Bürger, das sich daraus ergibt, wird für uns die Richtschnur unserer politischen Arbeit im Gemeinderat sein“, so Bernauer.

Rückkoppelung: Nur diese Form der politischen Arbeit macht es laut Bürgergemeinschaft möglich, auch auf aktuelle Herausforderungen im Sinne der Bürger zu reagieren. „Die Parteien mögen zwar ein Mandat für die Themen haben, die am Wahltag aktuell anstehen und die sie im Wahlkampf thematisieren“, argumentiert Bernauer: „Aber woher holen sie ihre Legitimation bei Themen, die erst während der Legislaturperiode aufschlagen?“ Das Modell der Bürgergemeinschaft biete für dieses Dilemma eine Lösung.

Diese Vorgehensweise hat natürlich die Folge, dass die Bürgergemeinschaft im Gegensatz zu den Parteien kein fertiges Programm vorlegen kann: „Wir stehen damit erst ganz am Anfang.“ Dennoch sind bereits einige Themen deutlich, denen sich die Bürgergemeinschaft widmen will: die Trinkwasserpreise, die Öffnungszeiten im Bürgerbüro, die Schulsanierung. Damit sind die Themen genannt, die Haltung der Bürgergemeinschaft jedoch nicht.

„Die wird sich erst entwickeln“, macht Bernauer am Beispiel der Trinkwasserpreise deutlich. „Die einen sagen, dass sie im regionalen Vergleich zu hoch sind, die anderen verweisen auf die schwierigeren geologischen Rahmenbedingungen in Schriesheim“, berichtet er von der Diskussion auf der Website: „Am Ende wird eine Abwägung erfolgen.“