Schriesheim

Schriesheim Eigene Trasse zwischen Kernstadt und Altenbach angestrebt / Grundsatzbeschluss nach 25 Jahren Diskussion

Erster Schritt zum Radweg

Eine wichtige Lücke im Radwegenetz zwischen Mannheim und dem Odenwald soll geschlossen werden. Der Schriesheimer Gemeinderat hat jetzt den Grundsatzbeschluss für den Bau eines Radweges zwischen der Kernstadt und dem Ortsteil Altenbach gefasst. Für die Kosten von mehreren Millionen Euro will sich die Stadt um Zuschüsse im Landratsamt bemühen, das just zur Zeit ein Programm zum Ausbau des Radwegenetzes im Kreis erarbeitet.

Der Wunsch nach einem solchen Radweg kommt von zwei Seiten: aus der Region, deren Bewohner an Wochenenden heutzutage nicht mehr unbedingt mit dem Auto in den Odenwald gelangen wollen. Und von einer wachsenden Zahl von Bürgern aus Altenbach selbst, die gerne mit dem Rad in die Kernstadt fahren würden, „wenn es sicherer wäre“, wie Stadtrat Christian Wolf betont.

Beratung schon 1993

Der Fraktionschef der Grünen kämpft seit einem viertel Jahrhundert für dieses Ziel. Als sich der Ortschaftsrat Altenbach 1993 erstmals mit dem Thema befasste, da war nur Wolf dafür, neun Mitglieder dagegen. „Mit dem Rad fahren ja ohnehin nur der Fischer und der Junghans“, erinnert sich Wolf an das damalige Argument, das auf zwei bekannte Altenbacher Persönlichkeiten verwies.

Das Problem damals wie auch heute: die immensen Kosten. Auf etwa sieben Kilometer Länge müsste die Landesstraße entsprechend umgebaut, möglicherweise auch dafür notwendiger Grund und Boden erworben werden. Bei besagter Beratung 1993 schätzte der damalige Bürgermeister Peter Riehl die Kosten auf 4,5 Millionen D-Mark: „Damit war das Thema tot“, erinnert sich Ortsvorsteher Herbert Kraus, bereits damals im Ortschaftsrat. Und da diese Summe nach zweieinhalb Jahrzehnten sicher nicht geringer, sondern eher höher wäre, hat sich am Sachstand bis heute nichts geändert.

Allerdings änderte sich die Haltung vieler Altenbacher zu diesem Thema. Waren anfangs eher wenige daran interessiert, weil in diesem abgelegenen Stadtteil ohnehin fast jeder ein Auto besitzt, so drehte sich die Stimmung vor Ort inzwischen.

Im Sommer 2016 ergriff der Turnverein Altenbach unter seiner neuen Vorsitzenden Suzanne Epp die Initiative und sammelte 500 Unterschriften für einen Radweg, die er Bürgermeister Hansjörg Höfer öffentlich übergab. Bei zwei Informationsveranstaltungen war das Interesse so groß, dass der Platz in der Verwaltungsstelle kaum ausreichte.

Nun wurde auch die Verwaltung aktiv, wandte sich an das Regierungspräsidium, in Vertretung des Landes ja Träger der L 596a. „Zu konkreten Ergebnisse ist es nicht gekommen“, heißt es jedoch in der jüngsten Stellungnahme der Verwaltung für den Gemeinderat.

Landkreis ergreift Initiative

Für einen Hoffnungsschimmer sorgte aber das Landratsamt, das gerade ein „Mobilitätskonzept Radverkehr Rhein-Neckar“ ausarbeitet. Mit Schreiben vom 21. November 2018 forderte der Kreis seine 54 Mitgliedsgemeinden auf, Strecken zu benennen, die Teil seines „Zielnetzes“ werden könnten. Die Meldung muss bis 28. Februar erfolgen. Das erzeugte Druck auf den Gemeinderat, der sich nun mit dem Thema befasste.

Hoffnungen im Gemeinderat

„Das ist eine Chance, dass eine alte Vision Fahrt aufnimmt“, freut sich Karl Reidinger (CDU). „Es ist schön, dass Schriesheim aufgewacht ist“, kritisiert dagegen Rainer Dellbrügge (SPD): „Andere sind schon weiter.“ „Altenbach liegt am Rande der Kreisgemarkung“, befürchtet auch Wolfgang Renkenberger (FDP) nichts Gutes: „Zur Not müssen wir dann eben eigenverantwortlich planen.“ „Wir müssen den Fahrradverkehr in unserer Stadt generell diskutieren“, sagt Bernd Hegmann (Freie Wähler).

Christian Wolf ist natürlich auch für den Antrag, warnt aber aus Erfahrung: „Wir sollten uns keinen Illusionen hingeben. Es wird ein langer Weg.“ Und dies ja durchaus im doppelten Sinne des Wortes.